Das Lied der Hoffnung.

    • Das Lied der Hoffnung.

      Vorgeschichte




      In einem Land, das zerstört vom Krieg, aus jeder Landkarte gestrichen wurde,
      lebten die letzten, die versuchten zu kämpfen.
      Dort lebten Menschen, die sich vor Frieden ängstigten, jene, deren Freund die Dunkelheit geworden war.
      Sie waren nur noch Abbilder ihrer selbst, knochige Gestalten ohne Gesicht die auf Friedhöfen zuflucht fanden.
      Der Krieg hielt ewig, er war seit man zurückdenken kann da und jeder weis, dass er nie vergehen wird.
      Doch diese Menschen dort hatten es geschafft, ihre Seele behalten zu dürfen.
      Sie hatten gekämpft, ihre Seele nicht hergeben zu müssen, dennoch waren sie leere Hüllen.
      Aber unter diesen düsteren Silhouetten gab es zwei Lebewesen,
      die man bei uns als normale Menschen bezeichnen würde.
      Sie versteckten sich vor jenen, die bereit wären sich selbst zu opfern um andere zu töten.
      Aber man nannte sie nicht Terroristen, sondern Abgläubige, die manche Melodie der Ewigkeit spielten.
      Auch vor diesem Lied versuchten diese zwei Menschen zu flüchten,
      denn sie reißt einem jegliche Lebensenergie aus dem Herzen.


      Eine von den beiden hieß Avana und war die Frau von dem zweiten Menschen, der Securio hieß.
      Avana war Schwanger und wollte ihr künftiges Kind mit Liebe und Frieden aufziehen.
      Doch keiner glaubte mehr an den Frieden -Sie hatten Angst davor.
      Doch dann eines Nachts, als das Lied der Ewigkeit abermals erklang, sollte es geschehen.
      Die Truppen der Abgläubigen zogen vor und gerade heute sollte Avana ihr Kind gebären.
      Beide zogen sich so weit es geht zurück. Diese Nacht überlebten beide, doch der Terror sollte nie Enden.
      Am nächsten Morgen hielt Securio sein Kind in seinen Armen.
      Er und Avana fühlten das erste mal seit langem wieder Glück.
      Es war ein komisches ungewohntes Gefühl für beide. Doch erneut ertönte die unglückverheißende Melodie
      und kurz darauf fanden die Abgläubigen den Neugeborenen. „Er musste getötet werden“, war ihr Auftrag.


      „Es darf unser Volk nicht mehr geben!“

      In einem Land, das zerstört vom Krieg, aus jeder Landkarte gestrichen wurde,
      leuchtete die Nacht heute besonders hell. Man sagt keiner hat überlebt.
      Keiner kann sagen, was in jener Nacht geschah. Man hat nur noch ein Baby gefunden,
      das in Leintücher eingewickelt in einer riesigen Blutpfütze lag.
      Die einzige Überlebende.


      Stefan ging an einem friedlichen Nachmittag in ein Cafe.
      Dort wollte er in Ruhe einen Tee trinken und die Zeitung lesen.
      Er hatte nie etwas zu tun. Hin und wieder ging er zu Eintagsjobs, wie auch heute,
      aber was ihm wirklich fehlte, war jemand mit dem er mal reden konnte.
      Die Zeit verging nicht gerade schnell. Der Tee war schon längst kalt und die
      Zeitung wurde von Stefan schon zum zweiten mal durchgelesen. Als er nach seiner
      Tasse greifen wollte, musste er jedoch aufschauen. Vor ihm saß ein Mädchen,
      das ungefähr sein Alter hatte. Sie hatte lange, glatte und blonde Haare und grüne Augen,
      die Stefans zu durchbohren schienen. Ein paar Herzschläge lang schauten sich beide nur Stumm an,
      bis er dann die Stille beendete: „Wer sind sie?“, fragte er und legte seine Zeitung beiseite.
      „Ich bin Zakaru.“ Sagte sie völlig tonlos.


      Sie trägt einen Namen aus dem alten Volk, dass vor 20 Jahren zerstört wurde, dachte Stefan.
      „Ich heiße Stefan. Ähm... Darf ich fragen wohersie kommen?“
      „Ich weiß es nicht. Ich kenne weder meine Eltern, noch meine wahre Heimat.“
      Das tat Stefan Leid. Hätte dieser Idiot doch nie gefragt. Er hätte jetzt gehen können,
      und hätte diese Fremde EINFACH vergessen. Aber das konnte er einfach nicht.
      In ihrer Stimme lag etwas trauriges. Und ihre Augen verrieten nicht, was sie fühlte. Aber sie war faszinierend.
      „Warum haben sie sich zu mir gesetzt?“; fragte Stefan mit etwas tröstender Stimmelage.
      „Sag,“, begann Zakaru. „Weißt du wer deine Großeltern waren?“
      „Ähm... Nun, nein! Sie sind gestorben, bevor ich auf der Welt war.“
      Stefan hätte ihr die ganze ZEIT in die Augen sehen können. Doch sie blickte nun immer scheu nach unten.
      „Siehst du, Stefan? Deine Großeltern sind tot, wie meine Eltern und sie sind beide aus dem selben Grunde gestorben.“ Sagte sie.
      Nun mit sehr geheimnisvoller Stimme.
      „ABER woher wissen sie das?“ fragte Stefan nun ganz verduzt, aber er bekam keine Antwort.
      Er guckte auf seine Uhr.
      Er musste heute zu einem Vorsprechen für einen neuen Job (für ihn war das auch ARBEIT, sich nur vorzustellen)
      und er hatte nicht mehr lange Zeit.
      „Bedienung!“, schrie er. „Ich möchte bitte bezahlen.“ Da stand Zakaru auf. Stefan dachte erst,
      sie wolle auch gehen, aber stattdessen setzte sie sich neben ihn und sagte: „Du darfst nicht gehen. Bitte!“
      „Ich muss gehen. Ich hab ein Vorstellungsgespräch und...-„ er wurde von ihr unterbrochen
      „Wenn du jetzt gehst, schneid ich mir die Pulsadern auf und gebe dir die Schuld!“ sagte Zakaru und sie meinte es ernst.
      Das war ihr eindeutig anzusehen.
      „Lassen sie mich gehen!“, er war kurz davor wütend zu werden und versuchte sie von dem Platz zu stoßen –ohne Erfolg.
      „Bitte lassen sie mich vorbei!“
      Nun schaute sie Stefan wieder tief in die Augen und sprach langsam:
      „Du musst noch bezahlen, oder?" Vorher lasse ich dich auf keinen Fall gehen.“


      Jetzt reichst! Er hatte nicht mehr lange Zeit.
      Wenn er wieder ein Vorstellungsgespräch in den Sand setzten würde,
      dann bekommt er auch keine Hilfe mehr von seinem besten Freund und irgendwann würde auch er,
      wie so viele andere auf der Straße landen.
      Die Minuten kamen Stefan wie Stunden vor. Als die Bedienung endlich an seinem Tisch war,
      konnten sie nicht mal wechseln.
      „Entschuldigung. Bitte warten sie noch! Wir werden jeden Moment wieder Wechselgeld haben.“
      Jeden Moment, dachte Stefan.
      So werde ich es nie schaffen. Wieder schaute er auf die Uhr. Seine TASCHE packend,
      beschloss er auf seine fünfzehn Mark Rückgeld zu verzichten und setzte sich auf.
      Erst da fiel ihm auf, dass das Mädchen schon längst weg war.
      Aber er hatte keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen, denn er war schon zehn Minuten über der Zeit.
      Schnell rannte er zu einer Straßenbahn, doch die hatte heute Verspätung.
      Als er endlich an dem Hochhaus angekommen war, traf ihn der Schreck. Das Gebäude war in sich zusammengefallen.
      Überall loderten Flammen und davor standen Polizei, Rettungswagen und Feuerwehrleute, die versuchten zu helfen.
      Stefan rannte zu einem der Polizisten und fragte, was passiert sei.
      „Terroristen haben sich und das Gebäude in die Luft gesprengt. Zum Glück war niemand in dem Gebäude,
      weil sie vorher von einem Unbekannten eine NACHRICHT erhalten haben. Sie hatten auch extremes Glück,
      dass sie heute zu spät gekommen sind.“ Sagte der Polizist.
      „Das kann man wohl sagen.“, antwortete Stefan und senkte erleichtert seufzend seinen Blick.
      Da fiel ihm ein Zettel auf, der auf dem Boden lag. Er hob ihn auf,
      betrachtete ihn und las dann die fein säuberlich geschriebene Nachricht, die darauf war.
      Das versetzte ihn den zweiten Schock an diesem Tag, dennoch verstand er:
      Deine Großeltern waren vom alten Volk, wie meine Eltern. Sie wurden von denen, die ihr heute Terroristen nennt, umgebracht.
      Der Glaube wurde in den letzten Jahren zerstört. Es gibt heute keine Religionen mehr.
      Ich hoffe ich habe wieder Glauben in dich gebracht. Den Glauben an Engel. Denn das Lied der Ewigkeit hätte auch fast deine Seele mit sich genommen.
      Zeit ist das was man an der Uhr abliest. A.E.