Eines Nachts ...

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    • Eines Nachts ...

      Kleine aber feine Kurzgeschichte. Ist schon 'was älter. ^^

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      "Durch das Kellerfenster, die Treppe nach oben, durch die Küche in den Flur, die erste Treppe rechts wieder nach oben in einen weiteren Flur, dann die dritte Türe auf der linken Seite."
      In Gedanken wiederholte sie diese Wegbeschreibung immer wieder, während sie in einiger Entfernung aus einer dunklen Gasse heraus das Haus beobachtete. Noch brannte ein Licht ... ausgerechnet heute hatte wohl jemand beschlossen ein wenig länger wachzubleiben.

      Leise seufzend lehnte sie sich an die kühle Hauswand. Wie sie das Warten hasste. Sie musste sich in Geduld üben, das bläute ihr Lehrer ihr immer wieder ein. Natürlich war es wichtig, daran gab es keinen Zweifel, aber ... es war einfach so langweilig.
      Fröstelnd rieb sie sich die Oberarme. Es war spät im Herbst und in den Nächten setzte der erste Frost ein. Sie könnte sich natürlich einen Umhang oder eine dicke Jacke über ihre dunkelgraue Ledermontur anziehen, aber bei einem Einstieg durch das Kellerfenster wäre das natürlich höchst unpraktisch. Sie hatte sowieso nur das nötigste dabei. Sollte sie wirklich entdeckt werden und es zu einer Flucht kommen, war es besser sie trüge wenig mit sich herum. Da nahm sie es lieber in kauf etwas zu frieren, als das Risiko einzugehen erwischt zu werden.

      Nervös zupfte sie sich an einem ihrer Handschuhe herum. Es war das erste Mal, dass sie alleine unterwegs war. Ihr Lehrer hatte ihr extra eine leichte Aufgabe gesucht. Erst hatte sie sich darüber beschwert, aber jetzt war sie insgeheim doch froh darüber. Ein wenig Kinah aus einer Spardose stehlen ... ein richtiger Meisterdieb würde sie dafür auslachen, aber sie war noch weit von der Meisterschaft entfernt, wenn sie mal ehrlich war und darum - Das letzte Licht im Haus erlosch.

      Das wurde so langsam aber auch mal Zeit! Sie wartete noch einige Minuten. Reine Vorsichtsmaßnahme. Dann huschte sie über die Straße und hoppste flink über die anderthalb Meter hohe Mauer ins Gebüsch. Vor ihr lag ein großer Garten. Netterweise hatten die Besitzer des Hauses viele Bäume gepflanzt, sodass sie sich ohne Mühe bis an die Hauswand schleichen konnte. Sie duckte sich unter den Fenstern hinweg und kam schließlich zu dem besagten Einstieg. Sie hob vorsichtig die Eisenstangen zur Seite, welche die Vertiefung verdeckten, in der das Kellerfenster lag. Die Bewohner dieses Hauses hatten eine Katze, für die sie zuvorkommenderweise das Kellerfenster immer einen Spalt breit offen ließen. Sie hockte sich in die Vertiefung und schob das Fenster vorsichtig mit der Spitze ihres Stiefels weiter auf. Nachdenklich betrachtete sie die Öffnung. Naja ... es war schon wirklich schmal. Sie zum Glück aber auch und so konnte sie sich gerade noch so durch die enge Öffnung quetschen.

      Sie landete leise auf einem Tisch, welchen man unter das Fenster gestellt hatte, um der Katze wohl den Ausstieg zu erleichtern. War natürlich auch vorteilhaft für sie. Musste sie schon keine Möbel verrücken um wieder hinauszukommen. Die schaute sich im finsteren Keller um. Viele Regale mit Lebensmitteln vollgestopft, Säcke mit Rabanas und Kisten voller Raydams. Auch einige Weinfässer standen an den Wänden. Ihr Blick wanderte weiter und sie entdeckte am anderen Ende des Raumes die Treppe welche wohl zur Küche hinaufführen müsste.

      Sie erklomm die Stufen und linste durch die Türe, die ebenfalls einen Spalt geöffnet war. Es war eine wirklich große Küche. Naja, es war ja schließlich auch ein großes Haus. Die Küche lag ebenfalls im Dunkeln und die Luft war wohl rein. Neugierig schaute sie sich um. So eine Riesenküche hatte sie wirklich noch nie gesehn! Ihr Blick blieb an was schwach glänzendem hängen. Hm, so ein bisschen Silberbesteck war bestimmt auch was wert ... Sie schüttelte den Kopf und verwarf den Gedanken. "Konzentrier dich und nimm nur das mit, weswegen du auch hingehst!" rief sie sich die Worte ihres Lehrers wieder in den Sinn. "Ein Diebstahl ist nur dann wirklich gelungen, wenn das Opfer gar nicht merkt, dass es bestohlen wurde." Sie nickte und steuerte die Tür am anderen Ende des Raumes an, welche in den Flur im Erdgeschoss führte. Da raschelte etwas plötzlich hinter ihr. Sie blieb aprupt stehen und drehte sich um. Da war niemand ... Ein leises schnurrendes Geräusch ließ sie vor sich auf den Boden blicken. Die Katze ... und ein Stück weiter hinten der Katzenkorb, welcher wohl eben so geraschelt hatte. Erwartungsvoll blickte das Tier zu ihr nach oben und maunzte leise. Das hatte ihr gerade noch gefehlt ... Sie ging in die Hocke und strich flüsternd über das weiche Fell. "Pssst... wir wollen doch nicht Herrchen und Frauchen aufwecken, aye?".
      Die Katze schaute sie mit großen Augen an, aber gab wenigstens Ruhe.

      Sie erhob sich wieder und spähte in den Gang hinaus. Niemand. Zügig, aber mit leisen Schritten näherte sie sich der zweiten Treppe und huschte nach oben. Sie warf einen prüfenden Blick in den Flur im ersten Stock und dann vorsichtshalber noch einen zurück. Das durfte ja wohl nicht wahr sein ... da saß die Katze ein paar Stufen tiefer und schaute sie wieder so erwartungsvoll an. "Ich hab kein Fresschen.... ksch!" Leise fuchtelte sie mit den Armen in die Richtung der Katze, welche sich doch tatsächlich wieder auf den Weg die Treppe hinuntermachte. Sie schaute dem Tier verwundert nach. Das war ja einfach.

      Sie schaute sich nochmal im Flur um. Die Einrichtung sah ziemlich alt aus. Jetzt nicht "zum-wegwerfen-Alt" sondern "Antik-Alt"! Bemalte Blumenvasen, reich verzierte Kerzenleuchter und allerlei Kinkerlitz waren auf den antik anmutenden Kommoden und Schränkchen verteilt. Aus großen vergoldeten Bilderrahmen beobachteten sie vermutlich die Vorfahren der Hausbesitzer. Die schauten vielleicht alle grimmig drein.

      Sie setzte ihren Weg fort, als ein Geschrei durch das Haus hallte, dass es ganz Pandämonium hätte aufwecken können. Sie zuckte erschrocken zusammen und schaute sich hektisch nach der Quelle des Gekreisches um, als ihr Blick vor sie auf den Boden fiel. Sie war der verfluchten Katze doch tatsächlich auf den Schwanz getreten! Sie hörte wie sich eine Türe öffnete und das flackernde Licht einer Kerze erhellte das andere Ende des Flures. Sie drückte sich an die Wand und hüllte sich in Schatten. Eigentlich mochte sie ja Katzen, aber sie verfluchte das dicke kleine Mistding, welches ihr unbedingt nachlaufen musste! Ängstlich schaute sie den Flur entlang zu der kurzen pummeligen Gestalt welche sich mit der Kerze in der Hand suchend umschaute.
      "Hallooo~? Ist da wer?"
      In diesem Moment musste auch noch die Katze anfangen zu miauen und knurrte die Gestallt, welche sich an der Wand versteckt hielt, bedrohlich an. Diese rührte sich keinen Millimeter. Einfach nicht bewegen... Sie wagte es kaum zu atmen, als die moppelige Frau mit der Kerze in ihre Richtung kam.
      "Aber Lord Flauschefell, was machst du denn hier?!"
      Lord Flauschefell?!
      Die Dame folgte dem knurrenden Blick der Katze und schaute sie nun direkt an. Sie schluckte leicht, und dann fing die dicke Frau an gackernd zu lachen und sammelte das Tier vom Boden auf.
      "Aber das ist doch nur Urgroßtante Gladiss!"
      Und mit diesen Worten machte sie sich leise kichernd mit dem Kater auf dem Arm auf den Weg zurück in das Zimmer, aus welchem sie gerade getreten war.

      Sie ließ die Schatten fallen und schaute der Frau ungläubig nach... Lord Flauschefell? Tante Gladiss!? Sie atmete erstmal einmal tief durch. Das war knapp! Dann fiel ihr Blick auf das Gemälde hinter ihr und sie musste schmunzeln. Eine grimmige alte Frau sah spöttisch aus sie herab. Das musste also die olle Tante sein ... Naja, wie dem auch sei, sie hatte hier noch etwas zu erledigen! Sie zählte die Zimmertüren ab und vor dem dritten auf der linken Seite blieb sie stehen. Vorsichtig spähte sie durch das Schlüsselloch. Das Zimmer dahinter lag völlig im Dunkeln und sie konnte keine Bewegungen darin ausmachen. Behutsam drückte sie die Klinke nach unten und die Tür gab wiederstandslos nach. Das war ja einfach! Sie trat in den Raum und sah sich um. Wo würde sie ihre Spardose verstecken? Unter dem alten Sofa? Im Schreibtisch? In einem der unzähligen Schränke? Hinter einem Gemälde an der Wand? Oder gar in einem Geheimfach im Mauerwerk?

      Sie machte sich erstmal daran, den Schreibtisch zu untersuchen. Das war der wahrscheinlichste Aufenthaltsort für eine Spardose. Fand sie zumindest. Sie zog ein paar Schubladen auf und war darauf bedacht, alles genauso zurückzulassen, wie sie es vorgefunden hatte. Bei der vierten Schublade stieß sie dann auf Wiederstand. Abgeschlossen. Da musste was wertvolles drin sein!
      Sie hockte sich vor die Schublade und betrachtete das Schlüsselloch. Sie hatte zunächst überlegt den Schlüssel zu suchen, aber das würde zuviel Zeit in Anspruch nehmen und so ein Schloss hätte sie auch mit einer Haarnadel aufbekommen! Also packte sie ein schmales Ledermäppchen aus einem kleinen Täschchen, welche sie an ihrem Bein befestigt hatte und rollte dieses auf. Sie warf einen kurzen Blick auf die langen Metallstifte, jeder mit einer anderstgeformten Spitze und wählte das passende aus. Sie schob den Dietrich in das Schloss und tastete es behutsam ab. Keine Minute später war ein leises Klicken zu hören. Mit einem triumphierenden Grinsen auf dem Gesicht öffnete sie die Schublade.
      Sie schob ein paar Dokumente beiseite und stieß auf einen prallgefüllten Samtbeutel in dem es herrlich klimperte. Diesen öffnete sie und entnahm ungefähr ein Drittel des darin vorhandenen Kinahs. Das sollte reichen! Sie stopfte es in ihre kleine Tasche und packte ihr Werkzeug zusammen, drapierte alles in der Schublade so, wie es zuvor ausgesehen hatte und schob sie wieder zu. Das war ja wirklich ein Kinderspiel! Naja ... bis auf Lord Flauschefell ...

      Leise trat sie den Rückweg an. Durch den Flur bis zur Treppe, dann dort hinunter in den Flur im Erdgeschoss, von dort aus durch die Küche hinab in den Keller und wieder hinaus zum Fenster.