Der goldene Schlüssel

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    • Der goldene Schlüssel

      Ohne viele Worte zu verlieren ... ich hoffe man kann es lesen und es gefällt. ^^

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      1

      ~ Der Plan ~

      Es war ein schöner sonniger Nachmittag in Pandämonium - zumindest für asmodische Verhältnisse. Ein in dunkles Leder gekleideter Mann schritt eilig über den Pandämoniumplatz, in einer Hand ein Blatt Papier welches er brummelnd zusammenknüllte und in seine Hosentasche stopfte. Kaum war er wieder zurück in der Stadt, drückt ihm ein Shugo einen Brief in die Hand. Das war ja so typisch ...
      Er bog in den Crandale-Bezirk ein. Vielleicht sollte er einfach wieder umkehren, aber nein, er war viel zu neugierig. In dem Brief stand etwas von einer großen Sache und Kinah ... viel Kinah! Das konnte er sich schlecht entgehen lassen, oder? Nunja, zumindest würde er sich anhören, was es damit auf sich hatte.

      Er war schon ein ganzes Stück den Bezirk hinuntergegangen, als er vor einem kleinen, ziemlich heruntergekommenen Häuschen stehen blieb. Der Putz bröckelte schon langsam ab und das Dach und die beschlagenen Fenster machten auch nicht mehr einen wirklich einladenen Eindruck. Er drückte die Klinke hinunter und öffnete die schon quietschende Tür. Hier war eigentlich nie abgeschlossen und so auch heute nicht. Er fand sich in einem größeren Raum wieder. Es standen einige Tische und Stühle ohne eine bestimmte Ordnung im Raum herum. Die Tapete schälte sich schon langsam von den Wänden und hier und da lag die ein oder andere leere Rum- oder Bierflasche auf dem Boden, oder zwischen verstreuten Spielkarten auf den Tischen. Das Licht das fahl durch die Fenster schien gab allem noch einen etwas finsteren Eindruck. In einer Ecke des Raumes, zu seiner Linken, standen ein paar mit dunkelbraunem Leder überzogene, gepolsterte Hocker und der verramschte alte Sessel dazu. Passend hierzu fläzte sich ein auf den ersten Blick grummelig aussehender Kerl in den Sessel. Narben verliefen über seinen Nasenrücken und seine Stirn. Seine ungepfelgt aussehenden bräunlichen Haare waren im Nacken zu einem losen Pferdeschwanz zusammengebunden. Als er den Besucher entdeckte erhellten sich seine Gesichtszüge und er grinste breit.

      "Ferran! Ich dachte schon du tauchst gar nicht mehr auf!". Er richtete sich in dem Sessel etwas auf. "Du kommst gerade richtig!".
      Ferran zog sich einen Stuhl heran und drehte ihn so, dass er sich mit den Armen auf der Rückenlehne aufstützen konnte und nahm gegenüber von dem Sessel platz. "Was gibt es wieder so dringendes, dass du einen Shugo nach mir schickst?".
      "Schön dass du fragst!" Das Grinsen wich noch immer nicht aus seinem Gesicht. "Ich hab einen Auftrag für dich bei dem wir einen Haufen Kinah einsacken! Hör zu: Seine Lordschaft Pesketch veranstaltet auf seinem Anwesen eine kleine Feier und ... "
      Aprupt wurde er unterbrochen. "Pesketch? Heute? Dir ist klar, dass man da unmöglich unentdeckt reinkommt und wenn überhaupt braucht das ausfühliche Vorbeireiteung. Heute ... das ist viel zu...!"
      Der braunhaarige brachte Ferran mit heftigem Herumgefuchtel seiner Hände zum schweigen.
      "Jetzt lass mich erstmal ausreden, aye?! Ich habe nen Plan!"
      Ferran seufzte ergeben und lehnte sich auf die knarzende Stuhllehne. "Dann raus damit..."
      Der andere lehnte sich wieder gemütlich in den Sessel zurück. "Also... wo war ich..." Nachdenklich kratzte er an seinem Dreitagebart. "Achja!" Er räusperte sich. "Feier seiner geehrten Lordschaft Pesketch. Er ist ein Sammler. Er sammelt alles mögliche, aber vorzugsweise alte Relikte, aber das weißt du ja sicherlich. Jedenfalls möchte der Auftraggeber einen alten Schlüssel. Dieser befindet sich bei seinen Sammlungen auf dem Anwesen. Ich habe Einladungen zu der Feier organisiert und ihr werdet euch dort einschleichen, unter die Leute mischen und herausfinden wo der Schlüssel sich befindet und ihn am besten auch gleich mitbringen."
      Skeptisch hob Ferran eine Augenbraue. "Einladungen? Und warte mal... " Hatte er ihr gesagt? Ja, hatte er, oder? "Was heißt hier ihr? Ich arbeite alleine das weißt du!". Nichts konnte er weniger gebrauchen, als jemanden der ihm womöglich im Weg herumlief.
      "Aber das gehört zu Plan!", warf sein Gegenüber ein. "Du wirst einen Adligen aus dem Süden Beluslans spielen. Sehr abgelegene Gegend. Der Lord kommt eher selten aus seiner wohligwarmen Villa da gekrochen, also sollte niemand euch erkennen, oder sich an euch erinnern."
      Ferran schnaubte. "Sollte! Das ist ein Scheißplan, Ghav ... es könnte uns trotzdem jemand erkennen und wer bitte soll denn jetzt eigentlich meine Begleitung sein?" Das alles gefiel ihm ganz und gar nicht. "Mal abgesehen davon, dass das ein wirklich Bescheuerter Plan ist und ich keine Lust hab aufzufliegen..."
      Ghavin wollte gerade zu einem Gegenargument ansetzten, da öffnete sich die Tür zu dem Nebenzimmer.

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    • Danke für die Kommis ^^
      Nun mal weiter.

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      2

      ~ Die Begleitung ~


      Aus der Tür taumelte rückwärts eine junge Frau mit wilden, schwarzen Haaren heraus. Sie trug ein dunkelviolettes Kleid welches nicht gerade billig aussah und versuchte vergeblich den Reißverschluss an ihrem Rücken zu schließen. "Ghaviiin!"
      Dieser sprang belustigt grinsend von seinem Sessel auf um ihr zur Hilfe zu eilen. Sie drehte sich einmal im Kreis und entdeckte Ferran auf dem Stuhl sitzen. "Hey! Schön, dass du es doch noch geschafft hast! Ich dachte schon ich müsste alleine dorthin."
      Ferrans Kopf ruckte zu Ghavin der inzwischen an dem Reißverschluss des Kleides herumnestelte.
      "Alleine? Ghavin?!"
      Dieser hob nur die Schultern. "Hey, ich bin heute Abend verhindert und sonst ließ sich kein Freiwilliger finden der ..." - "Ja, woran das wohl liegt?!". Ferran schaute wieder zu der schwarzhaarigen. "Wir gehen heute nirgendwohin."
      Sie verschränkte beleidigt die Arme. "Ach komm schon! Das wird lustig!". Sie grinste ihn an, doch Ferran schüttelte entschlossen den Kopf.
      "Aber der schöne Glitzerschlüssel ...!"
      "Nein."
      "Na dann geh ich eben alleine!"
      "Nein, Vi!"
      Sie blickte ihn patzig an. "Dann zwing mich doch hierzubleiben."
      " ... " er seufzte geschlagen. "Na gut, ich komme mit ... aber bei dem kleinsten Anzeichen von Unruhe machen wir uns aus dem Staub, klar?"
      Sie klatschte fröhlich in die Hände. "Klasse!"

      Na das konnte vielleicht was werden. Er war alles andere als glücklich darüber, dass konnte man an seinem finsteren Gesichtsausdruck erkennen. Aber er würde sie trotz allem nicht alleine dorthin gehen lassen. Bisher hatte sie nur einfache Aufgaben erledigt und es war einfach viel zu riskant. Zumindest war sie jetzt schon einige Jahre bei ihm, aber sie war trotzdem noch zu unerfahren für so etwas. Wie kam Ghavin nur auf die bescheuerte Idee? Es musste wirklich um einen Berg Kinah gehen ...
      Ein Kreischen riss ihn aus seinen Gedanken.
      "AU! Pass doch auf! Meine Mähne! Reiß mir noch einmal an meinen Haaren herum und ich rupf dir deine aus! Du spinnst ja wohl!?", fauchte Vi gerade Ghavin an welcher sie erstmal nur perplex anstarren konnte, ehe er nach einigen Sekunden wieder seine Worte fand.
      "Das war der Reißverschluss, man!". Er wollte wieder nach besagtem greifen um diesen endgültig zu schließen, aber sie drehte sich schwungvoll von ihm weg. "Nichts da! Fass noch einmal mit deinen ungeschickten Griffeln meine Haare an und es setzt was!"
      Damit stolzierte sie zu Ferran hinüber der indes schadenfroh grinsend auf seinem Stuhl saß. Ghavin verschränkte die Arme. "Zicke...".
      Sie streckte ihm die Zunge heraus und drehte sich abwartend zu Ferran. Dieser erhob sich gemächlich von seinem Stuhl und befreite erstmal ein paar verknotete Haare ihrer Rückenmähne aus dem Reißverschluss, dabei penibel darauf achtend sie nicht versehentlich zu ziehen. Wenn jemand an ihren Haaren zog verwandelte sie sich in eine Furie... Warum mussten diese Dinger auch immer auf dem Rücken sein? Schließlich zog er den Verschluss ganz nach oben. "Fertig."
      Sie lächelte zufrieden und blickte anschließend vorwurfsvoll zu Ghavin. "Siehst du? Das geht auch ohne mir die Haare auszurupfen!".
      Dieser machte eine fahrige Handbewegung und rollte mit den Augen. Er enthielt sich lieber jeglichen Kommentars. War vielleicht auch besser so ...

      Vi strich den feinen Stoff ihres Kleides glatt. Jetzt kam Ferran erst dazu es sich richtig anzusehen. Es war elegant und legte sich federleicht auf ihre blasse Haut. Es war eng geschnitten und betonte hervorragend ihre weibliche Figur. Ein Schlitz verlief vom Saum des Kleides, der fast bis zum Boden reichte, hinauf bis zu ihrem Oberschenkel und ihr linkes Bein dabei entblößend. Aufgeschlossen aber dennoch nicht zu freizügig. Also elegant und passend zum Anlass. Er fand sie könnte ruhig öfter ein Kleid anziehen und ... herrje, was war das für ein Parfüm?!
      Ein Klapps auf seinen Hinterkopf holte ihn wieder in die Gegenwart zurück. "Es wäre von Vorteil, würdest du mir zuhören anstatt Vi anzuglotzen, wenn du dir schon Sorgen machst, glaubst du nicht auch?"
      Ferran brummte und setzte sich mit verschränkten Armen zurück auf seinen Stuhl. "Ich mache mir keine Sorgen. Ich habe berechtigte Einwände gegenüber deinem tollen Plan!"
      Ghavin grinste. "Ich finde den Plan äußerst gewitzt und einfallsreich, euer sehr geehrter Lord Damren Neph."
      Ferran seufzte gedehnt und es landete ein zusammengeknüllter Haufen Stoff in seinem Gesicht. Er griff brummelnd danach und er sah Vi vor sich stehen, welche ihn belustigt angrinste. Ghavin ließ sich derweil wieder in seinen Sessel fallen. "Und Vi ist deine Cousine Christiana."
      Ferran ordnete mit finsterer Mine den Stoffhaufen vor sich. Hemd, Jackett und die passende Hose. Er seufzte nochmal. Vi setzte sich auf einen der Hocker und öffnete ihren Pferdeschwanz und ließ sich ihre Haare locker über die Schultern fallen. "Jetzt mach mal nicht so ein Gesicht. Das wird bestimmt spannend!"
      Sie griff nach einer Haarbürste und begann damit ihre wuscheligen Haare etwas in Ordnung zu bringen.
      "Ja... spannend bestimmt." Missgelaunt stand er auf und verschwand mit Hemd und Anzug im Nebenzimmer.

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    • 3

      ~ Der Lord und seine Cousine ~


      Es war kurz nach Sonnenuntergang und sie standen an einer Straßenecke im Gloriendorf in Pernon und besahen sich das große Anwesen. Tagsüber wurde es gut bewacht und Nachts noch mehr. Es gab auch Gerüchte über einige magische Sicherheitsmaßnahmen um die Schätze des Lords zu bewachen. Jeder der versucht hatte sich daran zu vergreifen tauchte nicht wieder auf, deshalb machten die Leute aus Vis und Ferrans Gewerbe einen weiten Bogen um das Gebäude herum.
      Heute herrschte reges Treiben auf dem Anwesen. Kutschen fuhren in regelmäßigen Abständen die große, gebogene Auffahrt hinauf. Diese war gesäumt mit bunten Zierpflanzen und Bäumen die mit ebensobunten Lampions geschmückt waren. Und natürlich wurde das Gebäude auch heute streng bewacht.

      Vi nestelte an ihrem Kleid herum und raffte es etwas damit es nicht auf dem Boden schliff. "Warum haben wir eigentlich keine Kutsche?".
      Er rollte mit den Augen. "Ist das deine einzige Sorge?"
      Sie tippte sich nachdenklich ans Kinn und nickte schließlich grinsend. "Aye!"
      Seufzend setzte sich Ferran in Bewegung in Richtung des großen Anwesens.
      "He warte!" Vi lief ihm eilig nach. Als sie ihn eingeholt hatte hakte sie sich bei ihm ein und so gingen sie gemeinsam den gebogenen Kiesweg zu dem Gebäude nach oben.
      Zwei finster dreinschauende Wachen standen vor der Tür. Eine davon streckte auffordernd seine Hand aus. "Die Einladung. ... bitte."
      Ferran griff in die Innenseite seines Jacketts und legte die Einladung in den gepanzerten Handschuh der Wache, welche die Einladung gleich argwöhnisch musterte. Nach ein paar Sekunden überspielte der grimmige Ausdruck der Wache ein aufgesetztes Lächeln. "Herzlich willkommen euer Lordschaft Neph und Lady Christiana.". Er trat einen Schritt beiseite und winkte sie durch die Tür. "Seine Lordschaft Pesketch wird die Herrschaften gleich willkommen heißen."

      Damit traten Vi und Ferran schnell an dem Türsteher vorbei. Sie fanden sich in einem rießigen Empfangssaal. Alles war hell beleuchtet und ein rießiger Kronleuchter hing in der Mitte des Saales über einem Springbrunnen. ... Wer stellte bitte einen Brunnen mitten im Haus auf? Naja, zu beiden Seiten des Saales führten jeweils eine Treppe nach oben und unten führten große Türen in die Räume, oder eher Säle, nebenan.
      Ferran sah sich suchend um, da meldete sich Vi zu Wort. "So ein Stinkstiefel da draussen was?" Sie grinste amüsiert und sah sich ebenfalls um. "Woah, sieh nur!" sie deutete auf das üppige Buffet welches an einer Wand des Raumes aufgereiht stand. "Und schau da!", mit einem Deut auf den rießigen, funkelnden Kronleuchter. "Boah, der is' vielleicht groß und wie der glitzert! Und ein Springbrunnen! Hast du jemals 'nen Springbru...!?"
      Ferran boxte sie dezent mit dem Ellenbogen gegen den Oberarm. "Hey, aua!" protestierend sah sie zu ihm. Er blickte ernst zu ihr und sprach mit gesenkter Stimme. "Pst! Schrei hie nicht so rum und benimm dich... und vorallem vergiss nicht warum wir hier sind." - "Aber ich wollte nur...!" Gerade wollte sie sich beschweren, als ein Mann mittleren Alters vor sie trat. Er trug einen üppig mit Verzierungen bestickten Anzug. Er war eher klein gebaut, etwa die Größe von Ferran hatte er, allerdings ging der Lord viel mehr in die Breite. Sein Haar war schon ergraut und neigte zur Glatze, auf seiner Nase trug er eine Brille mit kleinen Gläsern. Wohl eine Lesebrille. Wenn man ihn so sah konnte man kaum glauben, dass es sich um einen Daeva handelte.
      "Ah, herzlich willkommen! Ihr müsst Lord Damren und die liebliche Lady Christiana sein!"
      Ferran verneigte sich leicht. "Es ist uns eine Ehre."
      Pesketch nickte knapp, aber seine Aufmerksamkeit widmete er ganz und gar "Lady Christiana".
      "So eine hübsche junge Dame!Ich kann mich noch an eure Großmutter erinnern, ihr habt dieselben wundervollen Augen!"
      Na, ob das stimmte durfte man bezweifeln, oder es war wirklich ein erstaunlicher Zufall. Vi musste sich ein Grinsen verkneifen. "Achja, wirklich?"
      Ihr gegenüber nickte zustimmend. "Aber ja!", da erregte etwas anderes seine Aufmerksamkeit. "Oh, ihr entschuldigt mich bitte!"
      Mit diesen Worten eilte er zu anderen Gästen um diese mit seiner überschwinglichen Art zu begrüßen.
      "Ein Punkt für mich!" Vi grinste Ferran triumphierend an. Er seufzte.
      "Das ist kein Wettberwerb... Misch dich lieber unter die Leute und am besten findest du raus wo sich dieser Schlüssel befindet."
      Sie schmunzelte, "Spielverderber."
      Damit wandte sie sich ab und verschwand zwischen den anderen Gästen.

      "... hoffentlich stellt sie nichts an.", murmelte er vor sich hin und blickte sich aufmerksam um. Einige Bedienstete eilten umher und verteilten kleine Häppchen, oder balancierten Gläser mit Getränken durch die Menge. An der Eingangstür standen zwei Wachen, an den Treppenaufgängen jeweils eine. Auf den ersten Blick nicht übermäßig viele. Na das war doch schon immerhin ein kleiner Lichtblick. Er zupfte sich seine Hemdärmel zurecht und schlenderte auf eine der Wachen an der Treppe zu.

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    • 4

      ~ Die Kunstliebhaberin ~


      Als er die Treppe erklommen hatte bog er eilig nach links in den Flur im ersten Stock ein. Die Wachen waren zwar nicht besonders zahlreich, aber machten dafür einen recht bedrohlichen Eindruck. Der Riese bei dem er sich nach den Toiletten erkundigt hatte, war niemand mit dem sich Ferran freiwillig angelegt hätte.

      Der Flur war mit einigen alten Schränken und Kommoden regelrecht vollgestellt. Darauf viele Blumenvasen, wahrscheinlich irgendwelche Sammlerstücke. Mit Vase kannte er sich nun wirklich nicht aus. Darüber an den Wänden hingen Landschaftsbilder. Nichts großartig erwähnenswertes, wobei einige der Rahmen bestimmt ein nettes Sümmchen einbringen würden ...

      Er schritt den Gang entlang und zählte im Gehen die Türen ab. Die dritte Tür auf der rechten Seite ...
      Er drückte die Klinke hinab und schaute kurz in den Raum hinein. Die Toilette. Gut. Ferran blickte prüfend über seine Schulter. Der Flur lag immernoch verlassen hinter ihm, lediglich das Lärmen der Gäste war aus dem Erdgeschoss zu vernehmen. Zumindest im Moment. Er musste sich beeilen. Nicht dass ein anderer Gast ein Bedürfnis verspürte, oder gar eine der Wachen hochkam um zu sehen wo er steckte. Er schloss die Tür zu dem Badezimmer wieder und besah sich die zahlreichen Türen im Flur. Wie zum Abyss sollte er in diesem rießigen Haus den Schlüssel finden?! Was hatte sich Ghavin nur dabei gedacht ...

      Er überlegte. Der Lord war ein Sammler, der wohl gerne mit seinem Besitz herumprahlt. Also wäre es nur logisch, würde er seine Schätze in einem eigens dafür vorgesehenen Ausstellungsraum aufbewahren, oder?
      Er ging zur nächstbesten Tür und linste durch das Schlüsselloch. Dem Anschein nach ein schlichtes Gästezimmer. Er eilte zur nächsten Tür. Noch ein Gästezimmer. Die nächtse Tür ... Besenkammer.
      So hetzte er den Flur entlang von Tür zu Tür, aber ohne Erfolg. Nach fünf Minuten gab er es schließlich auf. So würde das sicherlich nichts werden und ausserdem musste er zurück, bevor die Wachen ihn vermissten. Innerlich fluchend ging er den Flur entlang und wieder die große Treppe hinunter, an dessen Ende die Wache finster zu ihm blickte. Nur schnell an dem vorbei ...

      Ferran mischte sich wieder unter die Gäste und blickte sich suchend nach Vi um. Er würde sie einsammeln und mit ihr verschwinden. Mit den vielen Leuten überall und den Wachen machte das alles keinen Sinn. Vorallem wenn man nichtmal wenigstens eine Karte mit den Grundrissen des Anwesens hatte. Sollte Ghavin doch sehen, wo er diesen verfluchten Schlüssel herbekam, oder sich einen anderen Blöden suchen.

      Am Buffet fand er Vi schließlich wieder. Sie schien sich köstlich zu amüsieren mit den drei Männern an ihrer Seite. Na toll ...
      Ein Glas in der Hand kicherte sie und ließ sich den Arm von einem kleinen, dicklichen Kerl um die Schultern legen, der niemand geringeres war als ihr Gastgeber. bei Aion, wie hatte sie das nun wieder geschafft ...? Leise seufzend machte sich Ferran auf den Weg zu dem Grüppchen hinüber.
      Als Vi ihn entdeckte lächelte sie ihm unbeschwert zu. "Oh hey, Fe...äh~verehrter Cousin!"
      Ferran rollte mit den Augen. Na das war ja grade nochmal gut gegangen.
      "Christiana... " er blickte sie ernst an. "Könnte ich euch einen Augenblick sprechen, bitte?".
      Vi schüttelte den Kopf. "Aber der verehrte Lord Pesketch wollte mir gleich seine Kunstsammlung zeigen!" Sie blickte ihn vielsagend an und er musste sich zusammenreißen, damit ihm nicht die Kinnlade herunterklappte. "Ach ... tatsächlich ...?".
      Da meldete sich auch schon der Lord persönlich zu Wort, der immernoch einen Arm um sie gelegt hatte, mit der anderen ein Glas Wein schwenkend. "Aber ja! Sie scheint sich sehr dafür zu interessieren und ich brenne schon darauf im Gegenzug ihre Sammlung in ihrem zu Hause in Beluslan bewundern zu dürfen!".
      Der Lord nahm seinen speckigen Arm von ihr und schob sie in Richtung Ferran. "Aber ich will euren Cousin nicht um eine Unterhaltung bringen."
      Vi schaute über ihre Schulter unsicher zu dem Dickerchen. "Aber ich ...", Pesketch schüttelte den Kopf. "Ich werde hier auf euch warten, keine Sorge!", er grinste vergnügt und wandte sich damit wieder den anderen beiden Männern zu um die vorangegangene Unterhaltung vortzusetzten.
      Vi schaute Ferran vorwurfsvoll an und griff ihn am Unterarm um ihn mit sich mitzuziehen.

      Sie trat mit ihm nach draussen auf den Balkon, wo sich im Moment keine Gäste befanden.
      "Moah, ich hatte ihn soweit!".
      Ferran schaute sie schmunzelnd an. "Du hast ihn immernoch so weit ..."
      Sie verschränkte ihre Arme. "Also was ist? Beeil dich, ich muss wieder rein, bevor er es sich doch noch anderst überlegt."
      "Nunja, eigentlich wollte ich vorschlagen, dass wir verduften, aber ..."
      Sie blickte ihn beleidigt an. "Du traust mir wohl gar nichts zu was?"
      Abwehrend hob er die Klauen. "So war das nicht gemeint. Ich meinte nur ..."
      Sie marschierte an ihm vorbei in Richtung der großen Glastür des Balkons. "Na dann halt mich nich' länger auf!"

      Und damit war sie wieder im Getümmel verschwunden. Aber sie hatte recht ...
      Er hätte nicht erwartet, dass sie ihre Aufgabe so gut machte. Vielleicht sollte er ihr wirklich mehr zutrauen? Er folgte Vi wieder zurück nach drinnen, aber er hielt unauffällig einigen Abstand um sie trotzdem vorsichtshalber im Auge behalten zu können. Mal sehen wie sich die angebliche Kunstliebhaberin so schlug.

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    • Danke :D
      Ich freu mich ja schon, wenn ich überhaupt Klicks bekomme xD
      Weiter im Text ...

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      5

      ~ Die Sammlung
      ~

      Vi gab sich Mühe nicht zu stolpern, was gar nicht so einfach war mit dem kurzen, dicken Etwas, das einen Arm um ihre Hüfte gelegt hatte und sie an sich drückte. Der Lord hatte wohl schon ordentlich einen über den Durst getrunken und wankte mehr den Flur entlang der nur von ein paar Kerzen an den Wänden notdürftig beleuchtet wurde.
      Sie wusste nicht ob sie es gut oder schlecht finden sollte. Einerseits stank er nach Alkohol und taumelte mit ihr in seinem ekligen Speckarm einen abseits gelegenen Flur entlang. Andererseits zeigte er ihr sein "Schatzkämmerchen" ohne groß dabei was zu denken. Vielleicht würde er ihr sogar diesen Schlüssel präsentieren?
      Sie hörte nur mit einem Ohr zu, als der Lord wied stehen blieb um ihr von diesem Bild an der Wand, oder jenen kostbaren Vase etwas vorzuplappern. Er war ganz von seinen Besitztümern hingerissen und achtete gar nicht wirklich auf sie. Zum Glück.

      Sie tat das Ganze nur mit einem freundlichen Lächeln und einem Nicken ab, während sie nachdachte. Was würde sie tun, wenn er ihr tatsächlich den Schlüssel zeigte? Ihn K.O. schlagen? Ihm den Schlüssel wegnehmen und davonrennen? Nein... das würde sicher nicht funktionieren. Und selbst wenn sie entkommen würde, was wäre dann mit Ferran? Der trieb sich immernoch irgendwo auf der Feier herum...
      Das war ja wieder so typisch. Nur weil er etwas nicht gebacken bekam, soll es für sie automatisch auch unmöglich sein. Es war zwar richtig, dass sie noch nicht so viel Erfahrung in diesem Geschäft hatte wie er und sich teilweise auch etwas tollpatschig anstellte, das musste sie zugeben. Trotzdem tat er gerade so, als sei sie in dieser Sache nur ein lästiges Anhängsel. Sie würde ihm das Gegenteil beweisen. Sie würde sich den Schlüssel schnappen, egal wie!
      Beinahe stolperte sie über den Saum ihres Kleides, als der Lord plötzlich wieder stehen blieb und sie aus ihren Gedanken riss.

      "So, da wären wir!".
      Er grinste zufrieden vor sich hin, während er einen Schlüssel aus seiner Hosentasche zog und die Tür aufsperrte. "Hier befinden sich die allergrößten Schätze, die Asmodae je gesehen hat!"
      Na... ob er da nicht etwas übertrieb?
      Er schob die Türe auf und blieb seitlich in dieser stehen, um Vi den Vortritt zu überlassen. Sie trat an ihm vorbei in den düsteren Raum und versuchte etwas zu erkennen. Das Zimmer wurde von kleinen, schwach leuchtenden Kugeln erhellt, die in Halterungen an den Wänden befestigt waren. Im Moment spendeten sie kaum Helligkeit und der Raum lag in finsterem Zwielicht. Sie kniff die Augen zusammen um wenigstens irgendwas sehen zu können.
      Pesketch lachte vergnügt auf und klatschte zweimal in die Hände, woraufhin die Kristallkugeln in den Wandhalterungen begannen heller zu leuchten, sodass der ganze Raum nun gut beleuchtet wurde. Aha. Magie.
      "So ist es vielleicht besser, hm?". Er ging grinsend an ihr vorbei.
      Vi blickte ihm leicht skeptisch nach. Sie musste davon ausgehen, dass hier alles mit magischen Fallen gesichert war. Die mochte sie ganz und gar nicht...
      Sie folgte ihm leicht zögernd und schaute sich dabei um. Der Raum war voller Vitrinen mit allem möglichen Krempel. Kunstgegenstände, alte Schriften und Bücher, Schmuck und Dinge von denen sie beim besten Willen nicht sagen konnte, wofür sie gut waren. An den Wänden hingen alte, kunstvoll bestickte Teppiche, alte Karten von Asmodae und von Orten die sie nicht kannte. Auch hingen vereinzelt alte Waffen an den Wänden. Schwerter, Bögen, Stangenwaffen, Schilde ...

      Natürlich alles hinter einer Glasscheibe. Praktisch alles hier war hinter einer Glasscheibe verstaut. Sie war sich ziemlich sicher, dass etwas unangenehmes passieren würde, würde sie eine dieser Scheiben auch nur versehentlich streifen.
      "Beeindruckend, nicht wahr?!", freute sich der Lord, welcher ihren analysierenden Blick wohl falsch deutete.
      "Oh, äh, ja sehr!". Vi nickte eifrig und schaute sich gespielt beeindruckt um. Sie ging zu einer Vitrine mitten im Raum und schaute sich den Gegenstand darin genauer an. Einer von denen, wo sie überhaupt nicht sagen konnte, welchem Zweck dieser diente. Es war ein vergoldetes, pyramidenförmiges Etwas. In einer Halterum so angebracht, dass die Spitze nach unten zeigte und die quadratische Fläche nach oben. Das Ding war in etwa so groß, dass es gerade so in Vi's Hand passte. In der Mitte war ein seltsames kreisförmiges Muster eingraviert, mit einigen seltsamen Zeichen drum herum, welche sie nicht kannte. Vielleicht alte Runen oder sowas? War ja auch egal. Jedenfalls glitzerte das ganze Ding wunderbar in dem Licht, dass von den Leuchtkugeln an den Wänden ausging! Sie konnte kaum den Blick davon abwenden. So merkte sie auch nicht wie der Lord sich näherte und wieder einen Arm um ihre Hüfte legte. Fast erschrocken blickte sie seitlich zu ihm. Er müffelte immernoch ziemlich und grinste sie mit einem zweideutigen Blick in den Augen an. Sie fand ihn einfach nur wiederlich... Da fiel ihr auch wieder ein warum sie hier war. Der Schlüssel!

      "Äh...", sie suchte nach den richtigen Worten.
      Pesketch schmunzelte. "Ja, meine Schöne?". Er schaute sie abwartend an.
      Vi musste sich zusammenreißen um ihm nicht eine zu scheuern und schreiend davonzulaufen.
      "Also... ich habe Gerüchte gehört, dass ihr einen wertvollen, goldenen Schlüssel besitzen sollt. Ist an der Geschichte was Wahres dran?".
      Sie bemühte sich eine gleichmütige Miene aufzustetzen, aber ob das bei dem angetrunkenen Dickerchen einen Unterschied machte...?
      "oh, aber ja!", Pesketch lächelte zufrieden und stolz mit sich. "Das Schätzchen befindet sich genau vor eurer Nase!".
      Vi blickte ungläubig auf das pyramidenförmige Ding in der Vitrine hinab.
      "Das soll ein Schlüssel sein?"
      "Ja! Sieht auf den ersten Blick gar nicht so aus wie ein Schlüssel, nicht wahr?", er kicherte. "Aber es gibt ein passendes Schloss dazu, und die Tür lässt sich nur mit eben diesem Schlüssel öffnen."
      Neugierig schaute sie ihn an. "In was für eine Tür sollte so ein seltsamer Schlüssel passen?"
      Der Lord sah sie verschwörerisch an. "Er soll einer Legende nach das Tor zu einem unterirdischen Labyrinth öffnen, in welchem uralte Schätze verborgen sein sollen."
      "Schätze?", sie horchte auf.
      "Ja. Aber niemand weiß, wo sich dieses ominöse Labyrinth befinden soll. Einige Leute sprechen von Ishalgen, aber leider nur Gerüchte." Er winkte ab. "Ich suche schon jahrelang danach, aber habe noch nichts gefunden... nicht die kleinste Spur."
      "Hm..." Nachdenklich blickte Vi auf den Schlüssel.
      "Was ist? Möchtet ihr ihn mal genauer ansehen?", er lachte vergnügt auf und bevor Vi etwas zu ihrer Verteidigung sagen konnte, hob er auch schon den gläsernen Deckel der Vitrine an und legte ihn vorsichtig auf dem Boden ab, ehe er in den Glaskasten griff und den goldenen Schlüssel heraushob. Sie schaute ihm dabei verdutzt zu. ... das war ja einfach!
      "Aber...!", warf er ein und verbarg den Schatz grinsend hinter seinem Rücken. Oh... das wars wohl mit einfach.
      "Ich erwarte eine Gegenleistung...", er blickte sie anzüglich von oben nach unten an und wackelte mit seinen buschigen Augenbrauen. "... wenn ihr wisst was ich meine."
      Vi schluckte... natürlich wusste sie das. Sie dachte nach. Erstmal war es wichtig, das Dingens in die Klauen zu bekommen. Über das Darauffolgende konnte sie sich immernoch zu gegebenem Zeitpunkt Gedanken machen! Sie nickte und zwang sich zu einem Lächeln. "Einverstanden!".

      Er schaute doch leicht überrascht, als hätte er damit nicht gerechnet, grinste dann aber wieder sein ekliges, speckiges Grinsen.
      "Sehr schön...". Er streckte die Hand mit dem Schlüssel aus. Vi griff danach und wog ihn prüfend in ihrer Hand. Das Teil war schwerer als sie gedacht hatte. Sie drehte es zwischen ihren Händen umher und betrachtete die feinen Einkerbungen an den Seiten. Derweil schob sich der Lord wieder näher an sie heran.
      "Also...", er legte seine Hände grob an ihre Taille und zog sie näher zu sich heran. "nun zu der versprochenen Gegenleistung!"
      Überrumpelt starrte Vi ihn an und ließ fast die goldene Pyramide aus den Händen fallen. Bevor sie reagieren konnte sah sie nurnoch den Mund des Lords auf sich zufliegen.
      Plötzlich, kaum zwei Zentimeter vor ihrem Gesicht, hielt er inne und seine Augen weiteten sich kurz, bevor er sie verdrehte und vor Vi umkippte und auf dem Boden zusammensackte.

      The post was edited 1 time, last by [NICK]virydiana ().



    • Die drei Möchtegernhelden Vi, Ferran und Ghavin melden sich aus dem Urlaub zurück!
      Ja, ich hab' laaange lange Zeit nich' weitergeschrieben. Der Grund hierfür sind... Gründe ;p
      Bevors nun endlich weitergeht noch eine kleine

      WARNUNG!

      Heute mal ein bissel Blut und Gewalt in Schriftform.
      Wer sowas nich' lesen mag, bitte weggucken. Danke. ^^


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      6

      ~ Unverhoffter Besuch ~

      Ferran schälte sich aus dem Schatten des Türrahmens und schob das schwarze, unauffällig kleine Blasröhrchen ineinander um es wieder kompakt in die Innentasche seines Jacketts zu stecken. Er schlenderte augenscheinlich
      ziemlich gelassen auf Vi zu und blickte prüfend zu dem Lord hinab.
      „Okay, wir haben zehn Minuten um zu verschwinden … wobei … bei unserem Prachtexemplar hier wohl eher fünf.“
      Er stupste das Dickerchen mit dem Fuß probeweise in dessen Seite, aber er regte sich kein bisschen mehr. Vi, noch ziemlich verdattert, beobachtete ihn dabei. Sie war Ferran unendlich dankbar für die Rettung vor diesem Ekelpaket und
      seufzte erleichtert.
      „Äh, ja, gut … Nimm das und wir hauen ab!“
      Sie streckte ihm den seltsamen „Schlüssel“ entgegen und er packte diesen, ohne lange zu zögern, in die Innenseite seines Jacketts. Um das ungewöhnliche, pyramidenförmige Etwas, das angeblich ein Schlüssel war, zu begutachten, hätte er später noch genügend Zeit. Er blickte sich einmal prüfend im Raum um, als sich Vi zu Wort meldete.
      „Die Fenster werden gesichert sein, und ich fürchte, nicht nur die in diesem Raum.“
      Ferran nickte nachdenklich.
      „Wir gehen denselben Weg zurück, den wir auch gekommen sind. Verhalte dich unauffällig und wenn dich jemand fragt: Der Werte Herr Lord macht sich gerade frisch.“
      Mit diesen Worten setzte er sich auch schon in Bewegung und Vi folgte ihm in stummer Zustimmung.

      Es war kurz nach der Mittagszeit und die sonst spärlich vorhandene Sonne Asmodaes schien hell auf das Anwesen im Glorien-Dorf. Eine Bedienstete eilte mit hektischen Schritten auf die Terrasse, um ein Tablett mit einer großen Kanne Kaffee vor einem kleinen, dicklichen Mann abzustellen, der dort an einem runden Tischchen saß und sich den Kopf mit einem Eisbeutel kühlte. Ihm tat alles weh. Wirklich alles! Er glaubte, sein Kopf müsse zerspringen. Nachdem man ihn die letzte Nacht nach einer gefühlten Ewigkeit gefunden hatte, hatte er veranlasst alle Gäste nach Hause zu schicken, weil er sich angeblich nicht so wohl fühle. Was ja an sich stimmte. Nur den verübten Anschlag hatte er außen vor gelassen. Hätte nur unnötig Aufregung verursacht und so hatte er eine kleine Katastrophe verhindern können. Nun ja … zumindest in den Augen der Gäste. Man hatte ihn überlistet. Ihn vergiftet und ihm seinen wertvollsten Schatz genommen. Das schönste Stück in seiner Sammlung! Verdammtes Diebesgesindel! Er zog brummend seine Tasse näher zu sich heran, nachdem das Dienstmädchen ihm eingeschenkt hatte. Dabei schmiss er den Eisbeutel achtlos auf den Tisch. Wo blieb nur dieser verfluchte Schattenrichter, den er herbestellt hatte?! Das Dienstmädchen zögerte und der Lord warf ihr säuerlich einen fragenden Blick zu. „Was denn noch?!“
      Das Mädchen blickte ihn unsicher an.
      „Herr … ein Mann möchte euch sprechen.“
      Pesketch schnaufte gereizt. „Was für ein Mann?“. Für so was hatte er nun wirklich keine Zeit.
      „Er uhm … er sagte, ihr würdet ihn erwarten … „
      Er fuchtelte mit einer Hand herum. Das musste der Schattenrichter sein.
      „Warum sagst du das nicht gleich, Mädchen?! Schick ihn zu mir heraus.“
      Das Dienstmädchen verbeugte sich eilig und hetzte davon.
      Er musste sich besseres Personal besorgen. Eindeutig. Diese unfähigen Wachen hatten die Diebe einfach hinaus spazieren lassen. Durch die Haustür. War denn das zu fassen? Der Gedanke daran ließ ihn schon vor Wut rot anlaufen und seine Augen flüchtig aufleuchten. Er hatte diesen zwei Verbrechern schon seine Leute hinterher geschickt. Er hoffte auf positive Neuigkeiten, wenn sie zurückkamen. Andernfalls wären das die längste Zeit seine Wachen gewesen. Er hatte noch zusätzlich eine Nachricht zu dem Gerichtshof der Schatten geschickt. Man hatte ihm
      zugesichert so bald wie möglich einen der Richter vorbeizuschicken. Wenn seine Leute keinen Erfolg hatten, dann sicher die Schattenhüter …
      Eingroßer Schatten fiel über seinen Stuhl und riss ihn aus seinen Gedanken. Er blickte auf und betrachtete den hochgewachsenen und breitschultrigen Kerl, der sich vor ihm aufbaute. Dieser war in eine schwarze Robe gehüllt. Sein Gesicht wurde von einem ebenfalls schwarzen Tuch verborgen und seine Kapuze verdeckte seine Augen. Es war nicht die eigentliche Uniform eines Schattenrichters … wobei dieser hier ziemlich finster aussah. Wahrscheinlich eine neue Mode am Gerichtshof. Dennoch sah er das Ungetüm von einem Mann skeptisch an.
      „Und ihr seid … ?“
      Eine dunkle Männerstimme antwortete: „Nennt mich Sulphur.“
      Das war vielleicht ein seltsamer Name … aber der Lord dachte nicht genauer darüber nach, sondern wunderte sich nur einen kurzen Moment darüber, während er auf den Stuhl gegenüber von sich deutete. Im Moment hatte er
      wichtigeres zu tun, als sich über einen Namen Gedanken zu machen.
      „Setzt euch. Es wurde langsam wirklich Zeit, dass ihr kommt! Ich warte schon den ganzen Morgen auf euch.“, zeterte der Lord.
      Die Gestalt vor ihm allerdings rührte sich keinen Zentimeter und erwiderte:
      „Tatsächlich? Das trifft sich gut … ihr habt etwas, das mir sehr nützlich sein könnte.“
      Der Lord schaute ihn verwirrt an. Was würde der Schattenrichter schon von ihm wollen?
      „Von was redet ihr?“
      Der Mann, welcher sich selbst Sulphur nannte, schüttelte die weiten Ärmel seiner schwarzen Robe ein Stück nach hinten und seine Klauen kamen zum vorschein. Passend zum Rest der Kleidung natürlich umhüllt von schwarzen
      Stoffhandschuhen. Pesketch beobachtete das Ganze misstrauisch und wollte schon zum Protest ansetzten, als der große Kerl schon seine Stimme erhob.
      „Etwas aus eurer Sammlung. Ich würde einen mehr als angemessenen Preis dafür bezahlen.“
      Der Lord war keiner von der schnellen Sorte, aber jetzt war es offensichtlich.
      „Ihr seid gar nicht vom Gerichtshof der Schatten?!“
      „Das habe ich auch nie behauptet.“
      Pesketch fluchte leise in sich hinein. Diese unfähigen Angestellten waren eine Plage!
      „Nun, ich habe gerade weder die Nerven, noch die Zeit für so etwas.“
      Er fuchtelte gestikulierend mit den Händen vor sich herum.
      „Geht. Schreibt mir deswegen einen Brief, oder kommt in einer Woche wieder, aber geht jetzt!“
      Er schob seinen Stuhl zurück und stand auf. Der Hüne jedoch rührte sich immer noch nicht vom Fleck.
      „Ich fürchte das geht nicht. Ich brauche den Schlüssel. Jetzt.“
      Der Lord blickte ungläubig zu ihm nach oben.
      „Der Schlüssel? Das goldene Pyramidenteil aus meiner Sammlung?“
      Der Große nickte zustimmend und der Kleinere musste auflachen.
      „Ha! So ein Jammer! Ihr seid um ungefähr zwölf Stunden zu spät dran. Ich habe das gute Stück nicht mehr ... Zwei verdammte Diebe haben es an sich gerissen. Wendet euch doch an die. Also geht jetzt!“
      Lord Pesketch knirschte säuerlich mit seinen Zähnen. Man merkte, wie die Person unter der Robe kurz stutzte.
      „Diebe? Wer war es? Wo sind sie hin?“
      Der Lord zuckte mit den Schultern.
      „Tja. Das weiß ich leider auch nicht.“
      „So ein Jammer …“
      Erwiderte die finstere Stimme ihm gegenüber. Und kaum waren die Worte ausgesprochen, steckten zwei lange und verdammt spitze Eisnadeln in der Brust des Lords. Sulphur senkte seine vor Kälte noch dampfenden Hände
      wieder, die er blitzschnell erhoben hatte. Währenddessen blickte der Lord mit vor Entsetzen geweiteten Augen an sich hinab. Blut tropfte zu Boden und der Lord sank auf die Knie um kurz darauf vornüber zu kippen.
      Der andere zog ein schlankes Schwer unter dem Umhang seiner Robe hervor. Er holte damit aus und trennte dem Lord mit einem sauberen Hieb den Kopf vom Rumpf ab, ehe sich dieser auflösen und durch den Ätherstrom zu einem Obelisk zurückkehren konnte.
    • Übrigens: *sich räusper*
      Vi und Ferran kann man auch im Rollenspiel auf der asmodischen Seite auf dem Server Balder begegnen.
      Wer also an Rollenspiel interessiert ist, dem leg ich folgendes Forum ans Herz:

      aionbalder.forumieren.com/forum

      Es ist noch recht neu, da das alte, ursprüngliche Forum leider von irgendjemandem regelrecht auseinandergenommen wurde und nich' mehr zu retten war. <_<
      Die RP-Community ist in den letzten Monaten aufgrund diverser, neuer Spiele leider sehr geschrumpft und wir freuen uns über jeden Zuwachs!
      Bei Interesse einfach anmelden und herumstöbern!
      Man darf mir diesbezüglich auch gerne eine Nachricht hier, oder dort im Forum schicken.
      Oder Ingame anwhispern, wenn man mich online erwischt. (Virydiana/Ferran)

      Das nächste Kapitel folgt im Laufe des Tages. ^_^v
    • WARNUNG!
      Immernoch Blut und ein Todesopfer. Weggucken wer keine Nerven für sowas hat.

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      7
      ~ Mord ist sein Hobby ~

      Haakon strich sich seinen schwarzen Mantel glatt und rückte seine Dienstmarke zurecht, die ihn als Schattenrichter identifizierte und auf Brusthöhe an seinem Mantel befestigt war. Er hob die Hand und klopfte an die große Flügeltür des Anwesens. Prüfend blickte er nochmal über seine Schulter, wo hinter ihm schweigend zwei Schattenhüter Aufstellung genommen hatten, die Gesichter hinter den typischen, ausdruckslosen schwarzen Masken des Schattenhofes verborgen.
      Als die Tür aufschwang richtete er den Blick wieder nach vorne und senkte diesen anschließend weiter nach unten, wo das Dienstmädchen aus großen, fragenden Augen zu ihm aufblickte.
      „Was kann ich für sie tun, mein Herr?“, sprach die dünne, fiepsige Stimme.
      Er fragte sich, wie alt sie wohl sein mochte. Bestimmt nicht älter als siebzehn. Haakon straffte seine breiten Schultern.
      „Mein Name ist Haakon Laurence, Schattenrichter am Gerichtshof der Schatten in Pandämonium. Lord Pesketch erwartet mich.“, erwiderte er mit tiefer Stimme.
      Er war noch nicht sehr lange in dieser Position. Vor etwa drei Monaten trat er den Posten und verkündete das immer voller Stolz, wenn er sich vorstellte. Leider bekam er noch die nicht allzu spannenden Fälle ab. War ja auch verständlich. Aber sein Tatendrang wurde von kleinen Überfällen und Schlägereien eben nicht ausgefüllt. Das war ziemlich frustrierend. Und schon wieder lediglich ein Diebstahl zu dem er geschickt wurde.
      Er tröstete sich damit, dass auch seine Zeit irgendwann kommen würde. Wo er bei den ganz großen Fällen dabei wäre. Nicht nur dabei sein … er würde sie leiten! Schritt für Schritt seinem Ziel näher kommend einer der bekanntesten Richter Asmodaes zu werden und vielleicht würde er sogar irgendwann Khrudgelmir ablösen!
      Das Dienstmädchen trat etwas aufgeregt von einem Fuß auf den anderen und mit gesenktem Kopf blickte sie zu ihm auf.
      „Es … es tut mir Leid, Herr, aber der Lord empfängt gerade jemand anderen und ...“
      Jemand anderen? Wobei es angeblich so dringend war? Der Schattenrichter erhob seine Stimme und unterbrach das Mädchen.
      „Er sagte mir es sei dringend. Und es ist nicht so, als hätte ich eigentlich keine wichtigeren Dinge zu erledigen!“
      Eigentlich wartete nur ein Stapel Papier auf ihn … aber er hatte wirklich keine Lust sich nochmal extra wegen eines Diebstahls herzubemühen.
      „Also … bringt mich zu dem Lord, oder andernfalls werde ich wieder gehen.“
      Nervös und aus der Fassung gebracht hob das Mädchen den Kopf und starrte ihn einen Moment lang an. Vermutlich würde sie Ärger bekommen, wenn er ginge. Sähe es ja so aus, als hätte sie ihn abgewiesen. Eilig stammelte sie: „Oh, nein nein. Kommt doch bitte herein!“
      Sie trat beiseite und hielt Haakon die Tür auf.
      „Wartet bitte einen Moment hier und ich sage dem Lord bescheid.“
      Der Richter trat ein, gefolgt von seinen beiden Schattenhütern und sah sich in der großen, pompös eingerichteten Eingangshalle um. Dort gab es sogar einen Springbrunnen mitten im Raum … der Lord hatte vielleicht Ideen.
      Das Dienstmädchen deutete auf eine einladende Sitzecke mit zwei Sofas und einigen Sesseln, die um einen niedrigen Tisch vor dem Kamin standen.
      „Setzt euch doch bitte einen Moment.“
      Sie verneigte sich noch schnell und eilte dann schon davon. Haakon allerdings blieb lieber stehen und so auch sein kleines Gefolge. Er betrachtete die riesigen Gemälde in den prunkvollen Rahmen, die eine Wand des Saals schmückten. Mussten augenscheinlich Portraits einiger Familienmitglieder sein. Gerade als er an den Brunnen trat um sich diesen genauer anzusehen, war ein panischer Aufschrei aus dem hinteren Teil des Hauses zu hören. Er fuhr mit dem Kopf herum und warf einen kurzen Blick zu den Schattenhütern, die wohl genauso überrascht zu sein schienen wie er selbst. Er setzte sich in Bewegung und eilte mit schnellen Schritten in die Richtung aus welcher der Schrei kam. Die beiden Schattenhüter dicht hinter ihm.
      Als er um eine Ecke bog, stieß er fast mit dem Dienstmädchen zusammen, die von Angst ergriffen zu ihm hoch blickte und mit einer Hand fuchtelnd in Richtung der gläsernen Terrassentür deutete.
      „Da...! Der Lord … er....!“
      Mehr brachte sie nicht heraus, da sie schließlich in Tränen ausbrach. Der Richter schob sie an der Schulter beiseite, als er ihrem Deut mit seinem Blick folgte und durch die Glastür etwas auf dem Boden liegen sah. Oder besser gesagt jemand. Er eilte hinaus und entdeckte den toten Körper des Lords und ein wenig weiter davon entfernt dessen abgetrennter Kopf, der ihn aus einer Blutlache heraus mit vor Entsetzen geweiteten Augen anstarrte.
      Er wendete sich zu den beiden Schattenhütern herum, die ihm natürlich gefolgt waren und sich nun erstaunt das Szenario beschauten.
      „Du. Sieh zu ob du den Mörder hier noch irgendwo herumschleichen siehst.“
      Meinte er zu dem linken und deutete mit einem Nicken in Richtung des weitläufigen Gartens, ehe er sich an den anderen wandte.
      „Bring mir ein paar Leute her, die das untersuchen und hier später … aufräumen. Ich bleibe hier und befrage das Mädchen.“
      Die zwei Schattenhüter deuteten eine leichte Verbeugung an und eilten in die entsprechende Richtung davon. Er zückte Notizblock und Stift, während ein leichtes Lächeln seine Lippen umspielte. Endlich war seine Chance gekommen. Endlich konnte er beweisen, dass er zu höherem berufen war, als Kleinkriminelle zu verurteilen. Heute war sein Glückstag!
    • 8

      ~ Warten ~


      Nebel legte sich am frühen Abend über die Dächer und Straßen Pandämoniums. Die spärliche Sonne Asmodaes bewegte sich schon auf den Horizont zu und es begann zu dämmern. Am Hafen liefen noch einige Shugos geschäftig umher, um die letzten Waren in einer Lagerhalle unterzubringen. Auf dem Pandämoniumplatz sammelten die Mütter ihre noch am Teich spielenden Kinder ein, während in der Marktstraße die ersten Läden schlossen.
      Der Nebel verdichtete sich und kroch in die schmalen Gassen zwischen dem weitläufigen Platz und dem Crandale-Bezirk, wo sich die in die Höhe streckenden Häuser dicht aneinanderdrängten.
      Eine Ratte huschte quer über die Straße und verschwand hinter einem Holzfass, welches an einem Haus lehnte aus dem fahles Licht aus dem Fenster drang. Wenn man hindurchsah, entdeckte man zwei Schatten, die vor einem prasselnden Kaminfeuer saßen. Einer hatte es sich in einem großen Sessel gemütlich gemacht und kritzelte irgendwas in ein Notizbuch, das in einen alten, zerfledderten Ledereinband gebunden war, während er die Beine von sich streckte. Die andere Gestalt saß vor dem niedrigen Couchtisch auf dem Boden und bewunderte das goldene, pyramidenförmige Etwas, das dort lag und im Schein des Kaminfeuers wunderbar glänzte.
      „Ghavin lässt sich heute aber ganz schön Zeit.“
      Vi löste ihren Blick von dem „Schlüssel“ und blickte nachdenklich zu Ferran auf. Dieser richtete den Blick von seiner Zeichnung der kleinen Pyramide, die er in seinem Notizbuch angefangen hatte zu skizzieren, zu Vi.
      „Ja, sollte schon heute Vormittag hier sein.“
      Vi schaute wieder auf die Beute und lehnte ihre beiden Arme auf den Tisch, auf welche sie nun ihren Kopf bettete und seufzte. Am liebsten würde sie das hübsche Ding ja behalten. Irgendwo verstecken, wo es niemand findet. Das glatt polierte Gold. Die geschwungenen Muster und Schriftzeichen. So hübsch wie das im Licht funkelte! Ferran hatte ihr wohl nicht ohne Sinn den Spitznamen „kleine Elster“ verpasst.
      „Er trödelt bestimmt nur herum, oder hat wieder anderes zu tun.“
      Sie ging nicht davon aus den tollen Schatz behalten zu dürfen. Aber immerhin gab es einen Batzen Kinah dafür. Ferran senkte nachdenklich seinen Blick wieder auf die Zeichnung und bewegte den Stift über das Papier.
      „Hm ...“
      „Bist du sicher, dass er nicht doch gesagt hat, dass wir das Ding bei ihm abliefern sollen?“
      Sie linste fragend zu ihm auf und Ferran antwortete ohne seine Arbeit dabei zu unterbrechen.
      „Ja, bin ich. Er hat nichts dazu gesagt. Und wenn er nichts dazu sagt, dann kommt er in der Regel vormittags. Und wenn ihm etwas dazwischen kommt, schickt er üblicherweise einen Shugo.“
      Sie hob den Kopf und setzte sich wieder aufrecht hin.
      „Meinst du ihm ist etwas passiert?“
      Ferran hob leicht die Schultern.
      „Möglich. Aber vielleicht hat er auch schlicht und ergreifend vergessen uns eine Nachricht zu schicken.“
      Vi runzelte skeptisch die Stirn. Vergessen? Seltsam, dass Ferran sich wohl keine Sorgen um seinen alten Freund machte. Ghavin vergaß so gut wie nie etwas. Vor allen Dingen, wenn es sich um einen angeblichen Berg Kinah handelte. Sie musterte ihn noch einen Augenblick lang eindringlicher. Seine Stirn, die er kaum merklich in Falten legte. Der Blick seiner hellen Augen, der fast schon nervös von einem Ende des Papiers zum anderen huschte. Der Stift, auf dem er mit seinen Klauen herum tippelte und den er ab und an mit dem anderen Ende auf das Blatt Papier klopfen ließ …
      Vi kannte ihn inzwischen lange genug um zu wissen, dass das nichts Gutes war. Er machte sich sehr wohl Gedanken. Ziemlich ernste sogar. Man musste nur genauer hinsehen. Es beschäftigte ihn eindeutig.
      Sie murrte leise und warf wieder einen Blick auf den „Schlüssel“. Ferran traute ihr wohl immernoch nichts zu. Dabei hatte sie die letzte Nacht ja eindeutig das Gegenteil bewiesen! Nun ja … wenn sie in Schwierigkeiten steckten, würde er schon früh genug damit herausrücken. Manchmal fragte sie sich, ob er irgendetwas vor ihr verbarg.
      „Wir sollten das Ding besser verstecken, bis wir von ihm hören.“
      Seine Stimme riss sie aus ihren Gedanken und sie schaute mit fragendem Blick wieder zu ihm. Ferran schüttelte leicht schmunzelnd den Kopf.
      „Die Beute … Reiß dich von dem Ding los und verstecke es irgendwo bis Ghavin kommt.“
      Sie nickte seufzend und erhob sich, um anschließend die schwere alte Truhe von dessen Platz an der Wand, zwischen Kamin und Bücherregal nach vorne zu ziehen. Danach griff sie nach dem Schürhaken der neben ihr an der Wand lehnte , um eine der Bodendielen aufzuhebeln. Das Schüreisen wurde danach wieder beiseite gelegt und die Holzdiele lehnte sie an die Wand. Unter jener kam ein Hohlraum zum Vorschein in dem schon das trockene, steinige Erdreich begann. Sie schob die darin liegenden Beutelchen beiseite deren Inhalt klimperte. Ein paar wenige Münzen und kleine Edelsteinchen. Sie beseitigte etwas von der Erde und den kleinen Steinchen und noch ein Holzbrett kam zum Vorschein, das sie anhob und beiseite räumte.
      Ein doppelter doppelter Boden! Doppelt hält bekanntlich besser, und doppelt doppelt hielt bestimmt doppelt so gut. Das war ihre glorreiche Idee gewesen und da war sie ziemlich stolz drauf. Wer kam denn schon auf die Idee unter einem doppelten Boden, nach noch einem doppelten Boden zu suchen? Sie griff hinein und förderte eine kleine hölzerne Truhe zutage. Damit kletterte Vi über die andere schwere Kiste und stellte sie auf dem Couchtisch ab. Anschließend machte sie sich auf den Weg zurück zum Bücherregal und zog ein schweres Buch heraus, blätterte ein Stück weit und fand den kleinen Schlüssel, den Ferran zwischen den Seiten versteckt hatte. Für einen Außenstehenden musste das so aussehen, als litt er an Paranoia. Sie kehrte damit zum Tisch zurück und öffnete das Kistchen. Ferran hatte seine Zeichnung inzwischen vollendet und das zugeklappte Notizbuch lag auf seinem Schoß, während er die ganze Prozedur beobachtete. Er kratzte sich nachdenklich am Kinn.
      „Vielleicht sollten wir die kleine Truhe auch noch mit einer Falle ausstatten ...“
      Sie rollte mit den Augen und klappte die kleine Holztruhe auf. Darin lagen, in Stoff eingeschlagene, uralte Bücher, bei denen man Angst haben musste, dass diese auseinanderfielen, wenn man sie auch nur anfasst. Auf einem Stück Stoff , das ein Buch einhüllte, lag ein silbernes Armkettchen mit kleinen, verschiedenen Anhängern daran. Eine Art Bettelarmband. Auf einem etwas größeren ovalen Anhängerchen stand in geschwungenen Buchstaben „Virydiana“. Das einzige was Vi von ihren Eltern hatte und natürlich wurde es wie ein Schatz in dieser Kiste gehütet. Daneben lag eine alte, schon recht zerfressene Schreibfeder. So ein Ding, was nicht wirklich wertvoll aussah und wo sie nicht sagen konnte, warum das jetzt in der Schatzkiste war. Ob die vielleicht irgendwie verzaubert war? Vi würde es wahrscheinlich nie herausfinden, denn Ferran schwieg zu dieser Feder.
      „Eine Falle?“
      Sie schnaufte belustigt.
      „Als ob überhaupt jemals irgendwer die Kiste in diesem Versteck finden würde. Langsam wirst du verrückt, ehrlich mal. In diesem Haus muss man sowieso um sein Leben fürchten … Weißt du überhaupt noch wo du jede einzelne Falle platziert hast?“
      Sie wohnten zwar nur im Erdgeschoss, aber das alleine war schon so eine Sache für sich.
      Die Fenster waren natürlich gesichert, sowie die Vordertür und die Hintertür, wenn jemand ohne Schlüssel sie hätte öffnen wollen … auf welche Art und Weise auch immer.
      Dann natürlich noch einige Schränke in der Küche, wenn man das überhaupt noch „Küche“ nennen konnte. Die glich nämlich eher einem Alchemielabor. Seltsame Geräte standen auf den Schränken herum, womit sie nichts anfangen konnte. Dann Behälter für die Salben, Tränke, Pillen und Kräutermischungen die er herstellte … oder Gefäße für feine mit Gift getränkte Nadeln, die er ab und an gebrauchte und die fest verschlossen aufbewahrte. Natürlich war jene Schublade auch mit irgendetwas fiesem gesichert.
      Außerdem gab es noch Behälter mit Pulver, Salben oder getrockneten Pflanzen die über Regale verteilt standen. Undefinierbare Flüssigkeiten, alles fein säuberlich mit einem Etikett beschriftet und akkurat aufgereiht. Oder eben verschlossen in den Schränken.
      Ferran blickte grübelnd an die Zimmerdecke und ging wohl in Gedanken die Wohnung ab.
      „Nein, nicht direkt.“
      Sie griff nach der kleinen, goldenen Pyramide und sah ihn vorwurfsvoll an.
      „Irgendwann liege ich hier noch tot auf dem Boden!“
      Er grinste nur amüsiert.
      „Nein, höchstens unkontrolliert zuckend und mit Schaum vor dem Mund.“
      „Haha! Sehr witzig! Hoffentlich trifft es dich selber mal, eh ...“
      Sie packte den Schlüssel in die kleine Holzkiste und bewunderte diesen noch einen kurzen Moment, bevor sie den Holzdeckel schließlich zuklappte.
      Ferran zuckte auf ihren Kommentar hin nur mit den Schultern, ehe er aufstand und zu seinem Labor hinüberging. Das Notizbuch nahm er mit und blätterte darin, nachdem er es auf der Arbeitsfläche abgelegt hatte. Vi räumte die Schatzkiste wieder sorgfältig dahin zurück, wo sie herkam.
      Nun hieß es wohl erst mal warten und sich eine Beschäftigung suchen, bis Ghavin wieder auftauchte … was er hoffentlich noch tun würde. Am besten bald.