Verblasste Vergangenheit

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    • Meine Tochter nahm mich bei der Hand und führte mich ins Haus hinein, in dem ich direkt von dem, mir so wohlbekannten, Geruch in der Luft empfangen wurde. „Erinnerst du dich noch hieran, Vater?“, fragte mich meine Tochter. Ich musste schmunzeln und nickte nur. Sie tat als wäre ich Jahre weg gewesen und vielleicht kam es ihr wirklich so vor, Kinder empfinden die Welt – und auch die Zeit – ganz anders als wir. Sie führte mich durch jeden Raum und stellte mir immer wieder die Frage, ob ich mich erinnere. Ich nickte immerzu und mit jeder Frage war ich gerührter als zuvor. Die Tränen kamen wieder hervor, als sie mich in unser Kaminzimmer führte. Ich sah zu unserer Rechten Coruna, meine geliebte Frau, in der Tür zur Küche stehen. Sie lächelte über beide Wangen, ihre Augen wirkten wässrig und sie hielt die Hände aneinandergelegt vor ihrem Gesicht, als könne sie nicht glauben was sie dort sieht. „Erinnerst du dich noch, Vater?“ Ich konnte den Blick nicht von meiner Frau abwenden. „Ja, das tue ich.“ Sagte ich und in dem Moment stieß meine Frau einen tiefen Schluchzer auf, lief auf mich zu und fiel um meinen Hals, wobei ich die Hand meiner Tochter loslassen musste. Als sie das tat fielen mir ihre langen, dunklen, offenen Haare kurz ins Gesicht und gierig sog ich ihren Duft ein. Dieser Duft der mir monatelang so sehr fehlte. Ich legte die Arme um sie und konnte das Seufzen meiner Tochter hören, förmlich sehen wie sie mit den Augen rollte und dann grinsend den Raum verließ. Dieser kleine Frechdachs, dachte ich. Und plötzlich war alles real. Ich stand hier, bei meiner Familie, die ich so lange vermisste, von der ich über Monate hinweg getrennt war. Ich schmiegte mein Gesicht fester an ihren Hals. Sie flüsterte in mein Ohr: „Du hast mir so unglaublich gefehlt.“ Ich verstärkte meinen Griff um sie. „Ihr mir auch“. Ich konnte ihre Träne auf meinen Hals laufen spüren, bevor sie sich aus meinem Griff löste und mich küsste. Ich fühlte ihre weichen Lippen auf den meinen und hatte den Wunsch, dass sie sich nie wieder trennen würden.

      Als das Essen fertig war, saßen wir alle gemeinsam am Tisch, während Coruna Teller, Bestecke, Gläser und zwei Töpfe auf den Tisch stellte. Meine Tochter wollte natürlich alles wissen, was ich in den vergangenen Monaten erlebt hatte. Ich erzählte ihr die verniedlichte Variante, in dem ich die vermissten Männer natürlich nicht erwähnte. Ihr Lieblingsteil war der, in dem ich Nachts im Zelt lag, nicht schlafen konnte und an die beiden dachte. Ihre Augen leuchteten, wenn ich das sagte. Ich liebte sie, sie liebte mich und wir beide liebten es, uns das gegenseitig zu zeigen. Sie war mein kleiner Stern. Auf meine Frage ob ich Coruna helfen könne, erwiderte sie nur ich habe die letzten Monate genug getan, jetzt sei es für mich Zeit auszuruhen. Ich schob meinen Stuhl zurück, stand auf, stellte mich hinter meine Frau und legte meine Arme um sie. Ich drücke einen Kuss auf ihren Hals Ich konnte nicht anders. Als sie über die Schulter sah, lächelte sie. „Nun, wenn du schon mal hier bist...“. Sie drehte sich um und drückte mir einen Topf in die Hände, während ihr Lächeln zu einem kleinen Grinsen wurde. „Das war doch dein Plan“, scherzte ich. Sie lachte kurz und wandte sich ab, während ich den Topf zum Tisch trug.

      „Vater, du liebst Mutter doch, oder?“ Die Frage traf mich unerwartet, doch das beeinflusste meine Antwort nicht. „Ja, das tue ich. Von ganzem Herzen, genau wie ich dich liebe.“ Mit dieser Antwort offensichtlich zufriedengestellt, aß sie lächelnd weiter. Mein kleiner neugieriger Blick zu meiner Frau herüber, wurde mit einem bezauberndem Lächeln belohnt und ihrer rechten Hand, die sich um meine Linke schloss.

      Nach dem Essen heilte meine Frau innerhalb kürzester Zeit mein Bein. So klar mir auch war, dass sie sich um unser Kind kümmern musste, wenn ich schon so viel unterwegs sein musste, bedauerte ich es stets, dass ihre Heilkraft in meinem Bataillon fehlte. Dann habe ich mit meiner Tochter Vogel gespielt. Ich hob sie hoch, sie streckte alle Viere von sich und so flog sie, wie ein Vogel, durch alle Zimmer, während ihr Lachen durch das ganze Haus zu hören war. Danach trug ich sie Huckepack und letzten Endes war ich ihr Pferd, während sie die Anführerin eines Trupps war, der einen großen Angriff der Barbaren abschmettern sollte. Sie trat mir – zugegebenermaßen etwas heftig – in die Seite und wies mich an sie zur Schlacht zu tragen, während sie ihr Schwert, was tatsächlich ein Kochlöffel war, nach vorne richtete. Ich spurtete, auf allen Vieren, los, doch statt sie in die Schlacht zu tragen, trug ich sie in ihr Bett. Und sie war auch nur wenige Augenblicke beleidigt. Nachdem ich ihr versprach mit ihr und ihrer Mutter am nächsten Tag zum See zu gehen, ließ sie sich zufrieden in ihr Bett zurückfallen und schloss die Augen. Kurz bevor ich ihre Tür ganz geschlossen hatte, sagte sie „Ich bin froh, dass du wieder hier bist, Vater.“
      „Ich auch, mein Schatz.“

      Meine Frau erwartete mich im Kaminzimmer, mit zwei Gläsern, meinem Leibgetränk und dem Kleid in dem ich sie vor mehr als zwanzig Jahren kennengelernt hatte. Sie sah darin genauso schön aus wie damals. Ich deutete mit meinen Lippen ein stummes Pfeifen an. Sie kam schmunzelnd auf mich zu, während sie in ihren Händen die Gläser trug und der Saum des Kleides leicht über den Boden wirbelte. „Der selbe Charmeur wie damals.“ - „Die selbe Schönheit wie damals. Nur, dass diese Schönheit inzwischen meine Frau ist, die mich glücklicher macht als alles andere.“ Sie drückte mir ein Glas in die Hand, einen Kuss auf die Lippen und zog mich auf die Couch vor dem Kamin, wo ich mich über sie lehnte und liebkoste.

      Das ist meine schönste Erinnerung, aus all der Zeit die ich bisher erlebt habe. Die Erinnerung die ich am meisten von allen schütze, die ich immer wieder ausgrabe wenn es mir schlecht geht. Der Abend an dem ich nach monatelanger Abwesenheit wieder zu meiner Familie zurückkehrte. Mein eigener kleiner Schatz, tief vergraben in einem Haufen aus Erinnerungen. Und er gehört ganz allein mir.

      Mir.

      The post was edited 1 time, last by Akaryn ().

    • suu endlich komm i zum lesen xD

      wahrlich klasse kapitel ^^
      aber muss ic es auch nochmal sagen? du einfach ein klasse schreiberling :D
      und doch hat das Kapitel eine bittere Note im Nachgeschmack... (sich kissen schnapp und auf das schlimmste vorbereite*
      T^T
      Aber frag mich nich warum :O

      lG
      Kimi
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    • Als ich die große Halle betrat überkam mich ein kleiner Stich des Respekts. Zum ersten Mal erklimmte ich die lange Treppe, die zu ihr führte, lange bevor ich zum Hauptmann des fünften Bataillons ernannt worden bin. Damals als ungelehrter Rekrut, manchmal rebellisch, gewiss, doch ebenso ehrgeizig und gewillt die Bewohner Asmodaes zu beschützen, auch wenn es mein Leben kosten sollte. Schon damals hat die große Halle ein Gefühl der Überwältigung ausgelöst, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Zwar habe ich diese Halle schon unzählige Male durchquert, aber die ehrfürchtige Erscheinung wird sie wohl nie verlieren.

      Am Morgen sind wir alle sehr früh aufgestanden, damit ich mein Versprechen einhalten und meine Familie zu dem nahe gelegenen See führen konnte. Coruna hat in weiser Voraussicht einen Korb mit Leckereien zubereitet und meine Tochter hat es nicht versäumt, alle Spielsachen die sie finden konnte, ebenso in den Korb zu werfen, was diesen schließlich ziemlich schwer machte. Zuerst breiteten wir eine Decke auf der trockenen Erde vor dem Wasser aus, verteilten darauf die Leckereien und frühstückten und ließen unsere trockenen Kehlen von dem frisch gepressten Kirka-Saft befeuchten. Und wie ich es von meiner Tochter kannte – wie ich es an ihr liebte – hat es nur kurze Zeit gedauert, bis sie nervös von einer Stelle auf die andere rutschte um mich dann zu fragen ob wir endlich spielen könnten. Ich lächelte, leerte mein Saftglas und ließ mein halbes Brot liegen um meiner Tochter den Gefallen zu tun. Wir schmissen uns einen Ball hin und her, zogen später unsere Klamotten aus, worunter wir bereits unsere Badesachen trugen und tauchten tief in das Wasser ein. Meine Tochter hielt sich an meinen Schultern fest, benutzte mich nahezu als Floß, während ich bis zur Mitte des Sees schwamm. Als wir uns umdrehten und zurück zum Ufer blickten, konnten wir sehen wie meine Frau gerade alle Essensreste zurück in dem Korb verstaut und sich ebenfalls ihrer Kleidung entledigt hatte und mit vorsichtigen – wie auch sehr niedlichen, wie ich finde – Schritten, Stück für Stück, weiter ins Wasser kam.

      „Spring direkt rein, Mutter, dann ist es nicht so lange kalt!“, rief meine Tochter, was mir ein ziemliches Pfeifen in den Ohren verschaffte, und lachte dann mit solch einem freudigen Quieken, dass ich im Wasser fürchtete zu zerschmelzen. Sie hatte inzwischen meine Schulter losgelassen und ihre Hände stattdessen um meinen Hals gelegt, ihre Beine um meinen Oberkörper und klammerte sich so an mich, während Coruna ihren Rat beherzigte und direkt in das Wasser eintauchte. Als sie auftauchte konnten wir in ihren Augen den Kälteschock sehen, was uns ein weiteres Lachen entlockte. Als meine Frau uns erreichte, küsste sie mich, dann unsere Tochter, während die Wolken der Sonne wichen und ihre Strahlen auf uns schienen um uns zu wärmen. So ließen wir uns auf dem Wasser treiben, schlossen die Augen und genossen die Schwerelosigkeit um uns herum.

      Schließlich verließ ich die beiden, gab ihnen jeweils einen Kuss auf die Stirn und versprach zum Abendbrot wieder da zu sein. Meine Tochter warf mir bei meinem Abschied einen furchtbar tadelnden Blick zu und verschränkte beleidigt ihre Arme.
      „Warum musst du denn schon wieder weg, Vater?“, fragte sie mich und ich konnte aus der Frage heraushören, dass meine Tochter fürchtete ich würde erneut für lange Zeit weg sein. Ich lehnte mich zu ihr herunter, drückte ihr erneut einen Kuss auf den Kopf, während ich ihren Hinterkopf kurz streichelte.
      „Damit ich euch beschützen kann, mein Schatz. Euch und unsere Heimatstadt.“ Zwar zwang sie sich selbst dazu das zu verstehen, doch ich wusste, dass sie das eigentlich nicht tat. Dennoch musste ich gehen, denn im Kapitol hatte ich viel zu erledigen und vor allem eines: Bericht erstatten und die Anweisungen zu unseren nächsten Schritten erhalten.

      Ich durchquerte die hohe Halle, wo zu beiden Seiten in regelmäßigen Abständen die Flaggen des asmodischen Volkes hingen, und unter den Gelehrten des Kapitols ein vielbeschäftigtes Treiben herrschte. Ich beachtete sie kaum, sondern trat mit festen Schritten auf die großen und schweren Türen zu, die den Ratsraum vom Rest trennten. Als ich ankam, atmete ich einmal tief durch, setzte eine Hand an die Tür und drückte sie auf. Anders als man es von so großen Türen erwarten würde, quietschten sie nicht, als ich sie aufschob. Ich betrat den Raum und ließ die Türe hinter mir leise wieder zufallen. Die Ältesten, 12 an der Zahl, saßen in U-Form an großen, schweren und elegant verarbeiteten Hartholztischen, die mit Papier, Federn und Büchern überladen waren und diskutierten angeregt. Bevor ich heraushören konnte, worüber sie diskutierten, hob ein Ältester die Hand, brachte damit die anderen zum Schweigen und lenkte ihre Aufmerksamkeit auf mich. 24 Augen legten sich auf mich und zogen mich förmlich tiefer in den Raum. Ich stellte mich an die Spitze der U-förmig aufgestellten Tische, ging auf die Knie und hielt meine rechte geballte Faust an meine linke Brust.

      „Ich, Fasir, Hauptmann des fünften Bataillons des Kapitols, wünsche Bericht zu erstatten und die Anweisungen zu erhalten, welche meinen weiteren Weg führen sollen.“

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      Und Kapitel 1-8 geht heute auch noch up!

      Gruß
      - T

      The post was edited 3 times, last by Akaryn ().

    • Kapitel vorschreiben und dann vergessen zu posten.
      Ich bin schon selten intelligent ^^

      Aber hat ja keiner gemeckert, also heiter weiter.

      Gruß
      - A


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      Der Älteste, der an der Spitze saß – der Oberste, sein Name war Zion –, sah auf und lächelte mich an. „Steht bequem und erstattet Bericht.“ Ich folgte seiner Anweisung, stand auf und ließ meinen Blick über die Ältesten schweifen, während ich sie kurz musterte. Die Gesichtszüge der meisten waren angespannt, die Diskussion die ich soeben unterbrach schien nicht gerade die angenehmsten Themen anzuschlagen, doch wenn ich an meine drei – hoffentlich nur – entführten Männer dachte, konnte diese Diskussion gar nicht so wichtig sein. Hier ging es um Menschenleben. Ich berichtete welche Erfolge wir sind Brusthonin verzeichnen konnten, dass die Zombies aller Wahrscheinlichkeit nach ausradiert worden sind und war gerade an dem Teil angekommen, an dem wir gen Heimat aufbrachen, als Zion mich unterbrach. Er lächelte wieder sein sarkastisches und viel zu übertriebenes Lächeln als dass es hätte echt sein können und seine Stimme unterstrich diese Unglaubwürdigkeit. „Das habt Ihr sehr gut gemacht, Hauptmann. Ihr werdet für Eure Mühen und Euren Erfolg gut entlohnt werden. Ihr könnt Euch nun zurückziehen, wir werden Euch kontaktieren, sobald wir einen Auftrag für Euch haben.“

      Ich trat einen Schritt vor und hielt den Blick auf Zion gerichtet. „Das kann ich nicht tun, Ältester Zion.“ Ich konnte zu meinen Seiten hören wie die anderen Ältesten leicht die Luft einsogen. Noch nie hatte es jemand gewagt einem Ältesten zu widersprechen, doch hier ging es nicht um Gehorsam, hier ging es um drei Leben die es zu retten galt. Zions Höflichkeit wich aus seinem Gesicht, offenbar beleidigt, dass seine Anweisung ausgeschlagen worden sind. Nun zog auch ich die Luft ein. „Ich sagte, dass Ihr Euch zurückziehen soll.“ - „Nein. Es gibt etwas das ich erledigen muss und dazu brauche ich Eure Hilfe.“ Seine Augenbrauen hoben sich leicht. „Unsere Hilfe? Wie kommt Ihr darauf, dass wir Euch helfen? Unsere Aufgabe ist es Entscheidungen zu treffen, die unserem Land helfen.“ - „Und genau darum geht es.“, sagte ich. Ich versuchte meine Stimme fest und sicher zu halten, wohl wissend, dass ich gerade wiederholt einem Ältesten widersprach. Für gewöhnlich waren sie diejenigen die an Hebeln zogen, den ganzen Tag an ihren Tischen saßen, diskutierten und darüber entschieden was das Beste für uns Alle sei, das Ergebnis dann einem der Niedrigeren mitteilten und dann erfolgte die Durchführung, mit der sie bereits nichts mehr zu tun hatten. Sie waren Entscheidungsträger, und diese brauchte ich nun um meinen Plan durchzuführen, denn das konnte ich nicht alleine bewerkstelligen.

      „Hört zu...“, begann ich, doch wurde bereits von Zion unterbrochen, der von seinem Platz aufstand. „Nein, Ihr hört jetzt zu! Ihr seid nur ein Hauptmann, wir sind der Ältestenrat, wie könnt Ihr es wagen Euch meiner direkten Anweisung zu widersetzen?“ Seine Stimme wurde von Wort zu Wort lauter. Ich wusste, dass dem Ältestenrat meine Entscheidung ihre Anweisung auszuschlagen nicht gefallen würde, aber …
      Ich wich nicht von der Stelle. „Ältester Zion, hier geht es nicht um meinen Ungehorsam. Auf dem Rückweg wurden drei meiner Männer entführt, von einem Magier durch eine Art magisches Portal. Ich muss meine Männer wiederfinden und..“ - „Und wie kommt Ihr darauf, dass wir Euch dabei helfen?“ Ich stockte. Das konnte unmöglich sein Ernst sein. Ich sah mich hilfesuchend zu beiden Seiten um, doch die meisten Ältesten sahen mich böse grinsend an, die anderen wichen meinem Blick aus und sahen plötzlich irgendetwas ganz Interessant an der Wand gegenüber. Mein Blick traf wieder den von Zion, dessen Gesichtszüge deutlich angespannt waren. Damit wurde meine Respektlosigkeit belohnt, doch das war mir egal, solange der Rat am Ende eine weise Entscheidung traf und meinen Plan unterstützen würde.

      „Ich entschuldige mich für meine Respektlosigkeit, aber ich brauche Eure Unterstützung, damit mir ein Trupp zugesprochen wird, mit dem ich die vermissten Männer suchen kann! Sie wurden entführt, und zwar von einem Magier!“
      Zions Blick wurde kühl und seine Worte schienen wie eine Klinge in meine Magengrube zu stechen. „Wir sind für den Schutz Pandämoniums zuständig, nicht für Eure privaten Sorgen. Sucht Euch die Hilfe von Anderen, nicht unsere.“
      Eine Weile zögerte ich. Ich konnte einfach nicht glauben, dass der Ältestenrat, der alle Entscheidung in Bezug auf mein Heimatland traf, sich so desinteressiert in Anbetracht einer eventuellen Gefahr für Pandämonium zeigte. Über meine nächsten Worte hatte ich keine Kontrolle, bevor ich einen Gedanken fasste, war er bereits ausgesprochen. Meine Stimme war leise und zischend.
      „Es geht ein Magier mit Augenklappe und dunklem Mantel um, der bislang nicht bekannt war, drei Männer eines Bataillons des Kapitols entführt hat und Ihr tut als wäre das nichts? Wir wissen nichts über diesen Mann, dessen Ziele oder ...“ - „Oh, da täuscht Ihr Euch.“ Zion hatte wieder sein gebieterisches Grinsen aufgelegt und setzte sich, während er einige seiner Papierberge durchsuchte. Dann legte er ein Papier auf seinen Schreibtisch und schob es mit festem Druck in meine Richtung. Ich ging auf ihn zu, streckte eine Hand nach dem Blatt aus und hielt dabei Zion im Auge, dessen selbstgerechter Blick mich fokussierte. Sobald ich das Blatt hob, lehnte er sich in seinen Stuhl zurück und legte die Finger aneinander. Der, auf das Papier gezeichnete, eiskalte Blick des Magiers brannte sich direkt in meine Augen. Die Ähnlichkeit war unverkennbar. Der schwarze Mantel, die verwuschelten Haare, die dunkle Augenklappe, die stechenden Augen. Mir stockte der Atem, ich fürchtete einen Schwindel zu erleiden, überwältigt von der Aura die dieses Papier ausstrahlte. Die Zeichnung wurde von einem Namen betitelt, Akaryn. In dem Moment in dem ich den Namen las, wusste ich, dass ich ihn nie wieder vergessen würde. Unter der Zeichnung war eine kurze, aber stimmige Personenbeschreibung angegeben, die Angabe, dass es sich hier um einen Magier handelte und dass er bereits acht andere Bataillonsmitglieder entführt hat. Meine Finger knüllten das Papier, brachen es beinahe, mein Zorn war entfacht.

      „Ihr wisst von ihm?“ Ich streckte das Papier anklagend in Richtung Zions, der mich weiterhin mit seinem selbstgerechten Grinsen musterte. „Ihr wisst von ihm und handelt nicht gegen sein Vorhaben? Er entführt Menschen!“ - „Oh, Ihr denkt doch nicht wirklich, wir hätten ihm nicht im Auge? Er entführt einige Soldaten, was soll's? Solange er keine direkte Gefahr für Pandämonium darstellt, ist er nicht unsere Sorge.“
      Zions kühle Art widerte mich an. Ein erneuter hilfesuchender Blick zu beiden Seiten. Inzwischen hatten einige der Ältesten ihr Grinsen abgelegt und schlossen sich denen an, die so taten als würde das ganze hier gar nicht passieren und geistesabwesend auf ihre Papiere oder die Wand gegenüber schauen. Ich sah wieder zu Zion. „Wie könnt Ihr nur so beschränkt sein?“ - „Was? Wie habt Ihr mich genannt? Beschränkt?“ Er stand auf. Ich hatte ihn herausgefordert und er ließ sich darauf ein. „Er plant etwas, er hat etwas vor, seht Ihr das denn nicht?“ Ich schrie beinahe. Ich hatte das Gefühl ich müsse die Männer aus einer Art Trance herausreißen. „Er entführt Menschen! Er ist ein verdammter Magier, sie können Lebensenergie entziehen und sich so stärken! Und das ist in Euren Augen keine Bedrohung?“

      Zion erwiderte meinen anklagenden Blick ohne mit der Wimper zu zucken. Doch sein Kiefer bebte. „Hauptmann, Ihr habt nun bereits sechs Minuten meiner Zeit gestohlen, nein, sieben! Ich werde dafür sorgen, dass Ihr kein Bataillon mehr anführen werdet, Eure Position wird Euch aberkannt werden und Ihr werdet wieder in eine Reihe stehen, mit Rekruten und Soldaten, niemand wird mehr auf Eure Befehle hören und Ihr werdet in den selben dreckigen Zelten schlafen wie der gesamte Rest, wenn Ihr Euch jetzt nicht für Euren Ungehorsam entschuldigt und uns sofort den Rücken kehrt!“ Was folgte war wohl eine meiner schwerwiegendsten Entscheidungen, die ich in meinem langen Leben je getroffen habe.

      Ich hob meine rechte Hand, fasste damit an die Insignie an meinem linken Kragen und legte meinen ganzen Zorn auf den Ältestenrat hinein, als ich die Insignie abriss und auf den Schreibtisch Zions gleiten ließ. „Meine Entlohnung könnt Ihr behalten.“, zischte ich, ehe ich mich umdrehte und mit sicheren Schritten zurück zur Tür ging. Die Ältesten, scheinbar aus ihrer Trance erwacht, begannen zu Tuscheln, ehe ich noch den Raum verlassen hatte.

      Wenn sie mir nicht helfen wollten, musste ich mir andere Hilfe suchen.

      The post was edited 6 times, last by Akaryn ().

    • Hallo Freunde.

      Da ich seit geraumer Zeit ein selbstständiger Unternehmer bin
      ertrinke ich derzeit in Arbeit und habe kaum Freizeit mehr. Darunter
      leiden einige Projekte, wie auch diese Geschichte.

      Ich werde mir aber Mühe geben sie bald fortzusetzen und das Projekt
      wieder aufzunehmen. Aber momentan muss ich mich erst um mein
      Geschäft kümmern.

      Gruß
      - A
    • Guten Aaaabend beisammen,

      ich hatte heute etwas Freizeit und hab ein weiteres Kapitel gebastelt.
      Ich möchte euch aber nun bitten nicht davon auszugehen, dass sie jetzt
      wieder regelmäßiger kommen, das kann ich leider nicht versprechen.

      Ich hoffe es gefällt euch dennoch und danke für die vielen
      aufbauenden PNs :)

      Gruß
      - A


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      Ich verließ das Gebäude und ging die lange Treppe hinab, dem Sonnenschein entgegen. Ein Stich der Sorge überkam mich, als ich die Stadtbewohner musterte, welche über den Stadtplatz liefen. Sie waren alle so fröhlich, sorglos. Tatsächlich war dies aber nicht sehr verwunderlich, denn immerhin waren die Ältesten und ich die einzigen Daeva die von der näher rückenden Gefahr in Form eines manteltragenden Magiers wussten. Kinder spielten, Nachbarn schwatzten über den neusten Klatsch und Tratsch und sorgten sich über vieles – nur nicht über die Sachen die wirklich der Sorge bedurften.

      Ich ließ mich auf der Treppe nieder und den Blick erneut über den Stadtplatz schweifen. Um ehrlich zu sein, ich fühlte mich verloren. Wenn Ihr schon einmal versucht habt das Richtige zu tun und Euch wurde dabei ein Dolch in den Rücken gerammt, dann könnt Ihr sehr gut nachfühlen wie es mir ging. Einige Stadtbewohner gingen an mir vorbei, trugen Körbe voller Lebensmittel und verbeugten sich, sobald sie mich dort, auf der Treppe hockend, sahen. Niemandem fiel auf, dass die Insignie an meinem Kragen fehlte - ich somit nicht mehr zur Garde gehörte - doch die Leute merken sich ein Gesicht und fügen dem nur noch selten Änderungen zu.

      Ich erhob mich, wischte schnell über meinen Hosenboden und schritt die letzten Stufen hinab, bevor ich mich auf den Weg zu meiner Familie machte. Ganz sicher würde Coruna meine Entscheidung nicht gefallen – natürlich würde sie das nicht, ich hatte eine der höchst angesehensten Stellen besetzt und gab diese auf – doch wusste sie auch nichts über die Hintergründe. Warum ich ihr nichts davon erzählt habe? Das liegt wohl auf der Hand: Ich war monatelang von meiner Familie getrennt, kam Heim und verbrachte einige der schönsten Tage meines Lebens mit ihnen, endlich wieder vereint. Hätte ich davon erzählt, wäre das alles nicht so verlaufen. Das war sehr egoistisch von mir, das kann ich nicht leugnen, aber ich frage Euch, was würdet Ihr tun wenn Ihr das selbe durchleben würdet wie ich?

      Ich folgte dem gepflasterten Weg, der bis in den Stadtteil reichte in dem unser Haus stand, und ging an dem Pfad vorbei, der zu dem, in einiger Entfernung gebauten, Gefängnis führte. Ich habe Euch bislang noch nichts darüber erzählt und das sollte ich wohl besser nachholen: Das Gefängnis wurde erst vor einigen Menschenleben gebaut. Hatte man zuvor etwas verbrochen, das über sporadische Langfingerei oder eine kleine Tavernenschlägerei hinausging, wurde man geköpft. In allen anderen Fällen wurde man auf unbestimmte Zeit in ein Exil geschickt, fernab jeglicher Zivilisation in die verschneite Einöde Pandämoniums. Für gewöhnlich liefen sich die in das Exil Entsandten früher oder später gegenseitig in die Arme und dann hieß es: Laufen oder in den offenen Kampf rücken. Jeder Einzelne hatte nur den einen Gedanken während er täglich durch die weiße, endlose Landschaft streifte: Überleben. Und unter der dicken, hellen Schneemasse versteckten sich keine Nahrungsquellen. Das Einzige was einem Nahrung bot waren die wenigen Tiere, die sich dort gelegentlich aus dem sicheren Schatten zeigten, oder aber die anderen Entsandten. Und ich denke Ihr wisst, was sie taten, wenn sie einen Anderen überrumpelt und letztendlich erledigt haben. Haben sich die Entsandten früher als erlaubt den Mauern Pandämoniums genähert, wurden sie übermannt und anschließend gehängt. Gute, alte Zeit, packt ihn und hängt ihn höher.

      Doch diese Praktik wurde nicht dadurch aufgehoben, dass einem der Einflussreichen klar wurde, dass diese entgegen jeglicher Menschenrechte aufgebaut war. Natürlich nicht, diese Art der Weitsicht hat auch unseren Vorfahren gefehlt. Der kleine Kieselstein der sich lockerte und die Lawine der Veränderung losschlug, war etwas, das sich keiner der damaligen Ältesten hätte vorstellen können: Die Entsandten schlossen sich zusammen, überlebten dank der Führung eines besonders gefährlichen Daevas und bauten sich aus den einfachen Dingen, die einem die Natur zur Verfügung stellte, Waffen, mit denen sie später aus der Distanz die Wachen auf den Mauern aufspießten und sich somit den Zugang zu dem Bereich innerhalb der Mauern öffneten. Es war ein großes Massaker und mehr als drei Stunden dauerte es bis die Stadtwachen die zweiundzwanzig Sträflinge schlussendlich restlos vernichten konnten. Doch natürlich sind die Sträflinge nach dem Eintritt in Pandämonium nicht in die nächste Taverne spaziert und haben sich einen Krug des besten Mets gegönnt. Nein, sie tigerten durch die Stadt und töteten alles was ihnen in den Weg kam: achtzehn Stadtwachen, vierunddreißig Männer, sechzehn Frauen, zwölf Kinder und einen der Ältesten. Wahrscheinlich wird der Älteste der ausschlaggebende Punkt für das Überdenken dieser Praktik gewesen sein.

      Und dieses Szenario hat sich nach dem Bau des Gefängnisses wiederholt. Der Grund hierfür war wieder die fehlende Weitsichtigkeit. Man wird sich gedacht haben „Wir ziehen eine Mauer um die Sträflinge, stellen einige Wachen auf diese und das wird schon reichen.“ Aber offensichtlich reichte das nicht, denn einen der wichtigsten Punkte haben sie nicht bedacht: Nicht alle Sträflinge sind Menschen. Und wie jeder weiß sind wir Daevas unsterblich. Natürlich kann man uns töten, aber was bringt das? Wir stehen am nächsten Obelisken wieder auf, haben Kopfschmerzen, aber mit der Zeit gehen auch diese weg. Kommt Ihr schon darauf, was die Sträflinge taten um diesen Mauern zu entgehen? In den folgenden Tagen nach der ersten Füllung des Gefängnisses – es waren etwa vierzig Gefangene, davon zwei Dutzend Daevas – fand einer der größten Massenselbstmorde der Geschichte statt. Und seitdem steht ein schöner, etwa drei Meter hoher und unzerstörbarer Obelisk mitten auf dem viel zu kleinen Hof des Gefängnisses.

      Heute ist das Gefängnis eines der bestgesichertsten Gebäude Pandämoniums. Es mag den Vorfahren zwar an Weitsicht gefehlt haben, doch aus Fehlern lernt man – und im Laufe der Perfektionierung unseres kleinen, schönen Gefängnisses passierten viele Fehler. Die Todesstrafe wurde komplett abgeschafft, entgegen der lauten Aufrufe der Vanahaller, welche zum Großteil aus reichen Söhnen und Töchtern bestand, die für ihren Reichtum nicht einen Finger rühren mussten. Im Laufe der Zeit wurde das Gefängnis immer wieder vergrößert, denn dank der Unsterblichkeit eines Daevas wurde der Maßstab für eine zeitliche Unterbringung in diesem Zuchthaus immer weiter angehoben, sodass sich die Häftlinge, ohne Vergrößerung, irgendwann hätten stapeln müssen. Einer der Häftlinge, sein Name mag Ayein Sanguen gewesen sein, aber das weiß ich nicht mehr genau, sitzt nun schon vierzig Jahre in diesem Gefängnis, für ein Verbrechen, das schon fast lachhaft ist. Er war Gewohnheitsdieb und wie Ihr Euch sicher denken könnt, bin ich der Ansicht, dass er einen anderen Beruf hätte wählen sollen. Was diese Strafe aber so hinterfragbar machte, war folgende Tatsache: Ayein Sanguen war ein Mensch. Und zwar ein Mensch der zum Zeitpunkt der Einquartierung in diesem Steinklotz schon siebzehn Jahre alt war. Er musste also vierzig Jahre lang für zwei gestohlene Brote auf eine glatte Steinschicht starren, nur weil es andere Sträflinge gab, welchen Zeit egal sein konnte. Und auch Ayein hatte Zeit. Zeit, nichts als Zeit. Soweit ich weiß starb er noch innerhalb der Mauern, doch dieses Mal half ein Zwischenfall nicht, die Überlegungen der Ältesten in Frage zu stellen.

      Das ist die Geschichte die das schöne Gefängnis unserer Stadt umgibt. Doch zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass auch ich bald die Mauern von innen sehen sollte.

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    • Nach einer seeeehr langen Pause hab ich mal wieder etwas
      geschrieben. Inzwischen habe ich sehr viele Ideen angesammelt, wie es weitergeht,
      was noch passiert und und und. Genug Stoff für eine langlebige Geschichte ist
      also gegeben. Nur ob die Zeit damit übereinstimmt ist fraglich :)

      Heute werden wahrscheinlich sogar 2 Kapitel up gehen.

      Danke für die Geduld die ihr mir entegegenbringt
      - A


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      Das Gefängnis ist nur eines von vielen Sehenswürdigkeiten in unserer schönen Stadt. Auch wenn niemand aus weiter Ferne anreist um einen Blick darauf zu werfen, außer jenen Unglücklichen die dutzende von Jahren tausende Blicke auf die Mauern werfen, und zwar von innen, ist dieser Steinklotz doch eines der Bauten, das einem Vorbeigehenden einen kalten Schauer über den Rücken jagt, sollte er in dessen Richtung sehen. Und das taten fast alle.

      So auch ich, als ich auf dem Weg zu unserem Haus war, in dem mich Coruna und unsere Tochter bereits erwarten würden. Auf dem Weg versuchte ich mir die Worte zurechtzulegen, mit denen ich Coruna meine Postenaufgabe beichten wollte. Sie würde enttäuscht sein. Sie würde es hinterfragen. Aber vor allem, und das wusste ich genau, würde sie es verstehen. Bei Coruna war ich mir sicher, sie hatte für alles Nachsicht und würde mich in dem bestärken was ich tat, egal was es war, solange es mich glücklich machte und keinem schadete. Bei dem Gedanken huschte mir ein breites Lächeln über das Gesicht. Ich hatte zweifellos die beste Frau in ganz Atreia. Bis ich das Haus erreichte hatte ich, meine Beichte betreffend, keine nennenswerte Fortschritte gemacht.

      Also nahm ich mir vor mir am Abend erneut Gedanken zu machen und die Beichte auf den nächsten Morgen zu verschieben. Stattdessen freute ich mich auf unsere Tochter, welche mir, sobald die Tür geöffnet wurde, auf mich zulaufen und mir die Arme um den Hals werfen würde, sobald ich mich hinkniete. Doch als ich die Hand hob, um an die Tür zu klopfen, blieb der erwartete Widerstand aus. Die Tür schwang mit einem leisen Knarren nach innen und offenbarte mir … ein Bild der Verwüstung.

      Der Hartholztisch umgeschmissen, das Geschirr darauf im ganzen Raum verteilt, sogar die Spielsteine meiner Tochter, welche gewöhnlich im Nebenzimmer in einer kleinen Holztruhe aufbewahrt wurden, lagen im Raum. Dokumente lagen verteilt im Raum, Essensreste aus dem am Boden liegenden Topf klebten an den Wänden. Meine Kinnlade sank gen Boden.

      Zunächst war ich gelähmt von dem Schaubild das sich mir bot. Dann stürmte ich durch den Raum, eine Hand gekrümmt vor dem Mund haltend um meine Stimme zu stärken. „Coruna! Coruna!“ Ich rief nach meiner Frau und nach meiner Tochter, nach meiner Frau und nach meiner Tochter, ob sie mich hören konnten und ob jemand da sei. Doch ich bekam keine Antwort. Als ich stehen blieb, meine Schreie abbrach und meine Hand sinken ließ, erschlug mich die Stille beinahe. Noch nie zuvor hatte mir Stille solch ein Unbehagen bereitet. Ich sank auf die Knie. Was war nur geschehen? Raub? Entführung? Mo … „Nein!“, schrie eine Stimme in meinem Innern. „Es geht ihnen gut. Sie sind nur irgendwo … anders.“

      Ich zwang mich auf die Beine, rannte die Treppe in das Obergeschoss hinauf, in welchem unser Schlafzimmer lag und öffnete den Kleiderschrank. Corunas Kleider waren noch da. Ich spürte wie meine Kraft in den Beinen erneut nachzulassen drohte. Ich taumelte zur Tür und schaffte es gerade noch mich an dem alten Steinrahmen festzuhalten. Ich schloss die Augen und ließ den Kopf hängen.

      Bis eine laute Stimme von draußen mich aus den Gedanken riss. Es war die des Herolds auf dem Stadtplatz, unweit unseres Hauses.

      Zwar war die Stimme laut und die Entfernung nicht allzu weit, doch die Geräusche eines Alltags stahlen ihr die Stärke. Ich konnte nur sehr wenig verstehen und musste den Wortbrei erst sortieren. Doch vier Worte schwebten durch die Luft, drängten in meine Ohren und hinterließen tiefe Stiche in meiner Brust: Fasir, Hochverrat, Familie und Gewahrsam.

      Also hat der Ältestenrat nach meiner Ansprache gehandelt, aber natürlich nicht so wie es ratsam gewesen wäre. Sie müssen Soldaten losgeschickt haben um mich und meine Familie einzusperren. Doch ich war nicht da. Also nahmen sie meine Frau und meine Tochter mit, wahrscheinlich als Druckmittel gegen mich. Hätten sie ihnen nur ein Haar gekrümmt …

      Ich war nicht in der Lage in irgendeiner Art und Weise klar zu denken. Ich ging zurück zum Eingangsraum, nahm mein Großschwert, das in der Ecke lehnte und ging zur Tür.

      Ich musste meine Familie retten und der Preis den ich dafür zahlen müsste, spielte keine Rolle.


    • Wenn mich heute jemand nach dem Weg zu dem Ratsgebäude fragt - nicht, dass das vorkommt, aber gelegentlich macht man sich über so etwas Gedanken - könnte ich ihm nichts mehr darüber sagen. Ich weiß nur, dass ich von der Wut zerfressen war und das Großschwert in der Hand zitterte. Ich muss ausgesehen haben wie ein Wahnsinniger, denn diejenigen die mir entgegenkamen machten einen riesigen Bogen um mich.

      Vor dem Ratsgebäude standen etwa ein Dutzend Soldaten, welche von einem Hauptmann an der Spitze Anweisungen erhielten. Vermutlich die Anweisung mich in jeder Ecke der Stadt zu suchen und dann dem Ältestenrat zu Füßen zu werfen. Und dabei müssten sie nicht nett sein. Tatsächlich würde es gern gesehen sein, wenn ich mit einem bearbeiteten Gesicht dem Rat vorgeführt würde.

      Mein Griff festigte sich und ich wollte gerade auf die Soldaten zugehen, die blinde Wut in mir, als ich einen Stich in meinem Nacken spürte. Ich hielt inne und wollte mir über diesen Wischen, doch dort steckte etwas. Ich zog das Etwas heraus und hielt es vor mir hoch um es zu begutachten. Es war eine Art kleiner Pfeil. In gerade der Bewegung mit der ich mein Schwert hob und mich in die Richtung drehte, aus der das Geschoss gekommen sein musste, wurde mir schwarz vor Augen und die Kraft in meinen Knien verließ mich. Ich stürzte zu Boden und wurde ohnmächtig.

      Ich kann nicht beurteilen wie lange ich außer Gefecht war. Ich wachte auf und war wie gelähmt. Ich konnte meinen Körper nicht bewegen. Die Luft roch .. frisch und der Boden unter meinem Körper schien sich zu bewegen. Ich hörte Stimmen. Die Stimmen einer Frau und eines Mannes und sie schienen sich erregt zu unterhalten.

      „Den Trick mit den Kinah hast du dir von Virydiana aber sauber abgeschaut.“, sagte die Frau und ich konnte hören, dass ihr Gesicht sich dabei zu einem breiten Grinsen verzog.
      „Ach, abgeguckt. Ich habe etwas von ihr genommen und es verfeinert. Das ist das moderne Geben und Nehmen.“
      „Bisher hast du ihr aber nichts gegeben, außer vielleicht Probleme und Schwierigkeiten.“
      „Ach, das sind Details.“
      „Details? Ständig klaust du von Leuten mithilfe ihrer Tricks, führst diese aber so stümperhaft aus, dass du Spuren hinterlässt, welche auf Vi zurückgeführt werden. Bisher hast du ihr weniger eingebracht als gekostet, und das ist ein Detail das du nochmal überdenken solltest.“ Sie lachte.

      Ich öffnete meine Augen. Mein Gesicht schien die einzige Körperregion zu sein, die der Lähmung nicht zum Opfer gefallen war. Sobald meine Augen geöffnet waren, wurden sie auch schon von dem, durch das Blätterwerk fallende, Sonnenlicht geblendet. Ich wollte meine Hand vor die Augen halten und das Licht abschirmen, doch sie regte sich nicht. Also kniff ich die Augen zusammen und versuchte meine Umgebung zu erkennen. Ich lag auf einer Art Plane, dessen Ende die beiden Personen zogen. Sie zogen mich durch einen Wald, über einen Trampelpfad. Der Weg war mir gänzlich unbekannt. Gelegentlich bohrte sich ein zu großer Stein oder ein aus dem Boden herausragender Stock in meinen Rücken. Ich stöhnte, woraufhin der Mann über seine Schulter zu mir hinunter drehte.

      „Oh, sieh nur wer aus seinem Schönheitsschlaf aufgewacht ist.“ Er grinste.
      „Hm?“ Auch die Frau sah über die Schulter zu mir, schmunzelte und sah wieder nach vorn. „Ganz schön gewagtes Unterfangen, in welches du dich da stürzen wolltest. Ich habe von einem Hauptmann mehr erwartet, wenn ich ehrlich bin.“
      „Na, das wäre auf jeden Fall interessant gewesen, wenn auch wahrscheinlich schnell vorbei. Vielleicht hätten wir uns doch nicht einmischen sollen und das ganze beobachten. Da hätten wir wohl mehr zu erzählen.“ Der Mann sah ebenfalls wieder nach vorne.
      „Und du hättest Vi dann erklärt warum wir mit leeren Händen zurückkehren, Tario?“
      Er zuckte mit den Schultern. „Ich hätte ihr schon eine Entschädigung mitgebracht. Außerdem, seit wann machst du dir Gedanken um Befehle, wenn man stattdessen Spaß haben kann, Raelle?“
      „Ich versuche beides immer möglichst zu verbinden. Befehle haben für gewöhnlich ihren Sinn, so wie auch die Rettung dieses Kerls.“ Sie zuckte mit ihrem Kopf in meine Richtung. „Den Spaß wird es später noch geben.“
      „Das will ich hoffen.“ Tario knurrte. „Es ist schon zu lang her, dass wir eine spaßige Jagd hatten.“

      Ich versuchte zu sprechen, doch aus meinem Mund entwich nur ein schwacher Laut.

      Raelle schien es bemerkt zu haben. „Spar deine Kräfte, Fasir. Du wirst sie noch brauchen und das Gift das wir dir verabreicht haben, lähmt dich soweit, dass du nichts mehr tun kannst. Je mehr du dagegen ankämpfst, desto stärker wirkt es. Das macht es so interessant.“ Sie grinste, das sah ich sogar ihrem Hinterkopf an. „Das Einzige was du im Moment wissen musst, ist dass wir deine Freunde sind, auch wenn es nicht den Eindruck macht.“
      Ich knurrte kurz. Sie verlangte doch nicht wirklich, dass ich das glaubte. Wenn sie auf meiner Seite wären, hätten sie mich nicht vergiftet.
      Tario drehte sich um und zog die Plane eine Weile rückwärts. „Du hättest sehen müssen wie du ausgesehen hast. Dein Blick, Mann! Du sahst aus als wärst du wahnsinnig vor Wut, den Rest hat dein Großschwert erklärt!“ Er hob eine Hand. „Hätten wir nicht gewusst wer du bist, hätten wir gedacht du wolltest die ganze Stadt auslöschen.“ Er lachte und drehte sich wieder nach vorne.
      „Wir wissen um deine Situation.“, sagte Raelle. „Wir behalten dich schon länger im Auge. Deine Wut können wir zwar gut nachvollziehen, aber mit einem Großschwert bewaffnet das Ratsgebäude stürmen wollen, ist nur – verzeih mir den Ausdruck – tölpelhaft. Denkst du wirklich du wärest dort lebendig raus gekommen, geschweige denn hättest es geschafft deine Familie zu retten?“ Sie machte ein Geräusch als rümpfte sie die Nase, so angeekelt war sie von der Idee. „So etwas denkt nur ein Narr.“
      „Hey, sei nicht so hart. Seine Familie wurde gerade „in Gewahrsam genommen“.“ Er hob beide Hände um Anführungszeichen in der Luft zu zeichnen und ließ dabei die Plane los, woraufhin mein linkes Bein auf den Boden knallte. Der Schmerz durchzuckte das gesamte Bein bis zu meiner Hüfte und ich gab einen knurrenden Laut von mir. „Oh, entschuldige.“ Er hob die Plane rasch wieder auf.
      „Du bist ein Idiot“, sagte Raelle und in Gedanken konnte ich ihr nur zustimmen. „Versuch etwas zu schlafen, Fasir. Je mehr Ruhe du hast, desto schneller lässt die Wirkung des Giftes nach.“

      Ich dachte gar nicht daran zu Schlafen, abgesehen davon, dass es mir in der Situation nicht gerade leicht gefallen wäre. Damit schien Raelle gerechnet zu haben, denn sie sah über die Schulter zu mir und bemerkte meinen Feindseligen Blick. Sie seufzte. „Dann muss es wohl eine zweite Ladung tun.“ Sie ließ die Plane langsam zu Boden, ging um die Plane auf Höhe meines Kopfes und ließ sich auf die Knie nieder.

      Dieses Mal war es Tario der seufzte. „Hältst du das wirklich für nötig?“
      Raelle sah zu ihm auf. „Soll das ein Witz sein?“
      Er zuckte mit den Achseln. „Ich frag ja nur.“
      „Natürlich ist es nötig. Denkst du er ist für uns von Nutzen wenn er noch eine halbe Ewigkeit gelähmt ist?“ Mit den Worten griff sie an die Schärpe die an ihrem Rücken befestigt war und zog eine kleine Phiole heraus. Ich versuchte meinen Kopf von ihr wegzudrehen, doch ein kleines Zucken war alles was ich schaffte. „Wehr dich einfach nicht, Hauptmann, damit machst du es uns allen, und vor allem dir selbst, am einfachsten.“

      Sie griff nach meinem Kinn und drückt meinen Mund auf. Mit der anderen Hand löste sie den Pfropfen von der Phiole und goss den Inhalt in meinen Mund. „Wir sehen uns auf der anderen Seite.“, sagte Raelle grinsend und mir wurde schwarz vor Augen.

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    • Jeder Einzelne hat irgendwann einen Moment im Leben in dem er aufwacht und sich dessen bewusst ist, bevor er die Augen öffnet. Schon bevor er nur einen Muskel der Lider anstrengt, weiß er genau „Ich bin wach und habe die Kontrolle über meinen Körper“. Ich erlebte diesen Moment als ich aus dem Schlaf aufwachte, der mir durch Raelles Lähmungsgift aufgezwungen wurde. Ich wollte die Augen nicht öffnen, denn sollte sich jemand in meiner Nähe befinden, sollte er nicht sofort wissen, dass ich wach war. Leicht bewegte ich die Finger meiner, auf dem Boden ausgestreckten, Hand und befühlte den Grund auf dem ich lag. Es war harter Steinboden, doch er war mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Es war natürlicher Stein, keine glatt geschliffene sondern gezackte, unebene Oberfläche. Meine Ohren zuckten. Ich hörte ein Geräusch, das ich im ersten Moment nicht einordnen konnte … Tschick Tschick .. als würde … Tschick ..

      „Eine Klinge die zwischen zwei harten Flächen gewetzt wird...“, dachte ich. Umso mehr wollte ich verheimlichen, dass ich wach war. Doch ich wollte wissen was um mich herum passierte, also öffnete ich vorsichtig meine Augen auf Spaltbreite. Ich befand mich offenbar in einer Höhle. An der Wand zu meiner Linken, zu der mein Kopf geneigt war, hing eine entleuchtete Fackel, dessen Feuer meinen nur leicht geöffneten Augen derart blendeten, dass ich nicht mehr erkennen konnte.

      „Mach dich nicht lächerlich, Fasir, ich weiß, dass du wach bist.“
      Ich erstarrte. Einen Moment reagierte ich nicht, sondern blieb reglos liegen. Ich hielt sogar den Atem an. Ein Kichern.
      „Und tot bist du auch nicht.“
      Eine kurze Zeit hielt meine Starre noch an, dann löste ich die angespannten Muskeln und holte langsam und vorsichtig Luft, ehe ich meinen Kopf nach rechts drehte, in die Richtung aus der die Stimme kam. Und dort saß der Magier. Der Magier der mein Bataillon auf dem Weg nach Pandämonium angriff und zwei meiner Männer und einen Söldner entführte. Akaryn. Er saß auf einem alten und schweren Holzstuhl an der Steinwand, unter einer Fackel, und schnippte sich mit einem kleinen Messer den Dreck unter den Krallen weg.
      „Du!“, rief ich wütend, rappelte mich auf und lief auf ihn zu. Doch sobald ich in seine Nähe kam, wurde ich von einer Druckwelle zurückgeschleudert. Ich knallte gegen die Wand und Hand- und Fußschellen schlossen sich mit einem Klicken um meine Gelenke. Akaryn seufzte und stand auf.
      „Ich hoffte, dass dies nicht nötig sei, doch dein Groll gegen mich ist wohl groß. Was ich durchaus nachvollziehen kann.“
      „Ach ja? Jetzt tut bloß nicht, als hättet Ihr ein Gewissen. Ihr habt drei unschuldige Männer entführt und nur Aion weiß, was Ihr noch ...“
      „Oh“. Er lachte leise, doch in seinem Lachen lag nicht der geringste Humor. „Da irrst du dich. Diese Männer waren nicht unschuldig, sondern eine Gefahr. Vorallem für dich.“ Er deutete kurz mit einer ausgestreckten Kralle auf mich. „Weißt du, in einem gewissen Sinne tat ich dir sogar einen Gefallen indem ich sie beseitigt habe.“
      Mein Blut gefror in meinen Adern. „Beseitigt?“
      „Ach“, er machte eine wegwerfende Handbewegung. „Sorg dich nicht darum. Sobald du weißt, wer sie waren wirst du mir wahrscheinlich dankbar sein.“ Er setzte sich wieder auf seinen Stuhl und sobald er anfing erneut seine Krallen zu säubern, war wieder das regelmäßige „Tschick“ im Raum zu hören. Erst jetzt bemerkte ich den Durchgang gegenüber meines Schlafplatzes, der alles dahinterliegende in Schatten hüllte, doch das Echo dieses Geräusches drang durch diesen zurück.
      „Weißt du was ein Assassine ist, Fasir?“
      „Bindet mich los!“
      „Ein Assassine wartet einen günstigen Moment ab und mordet. Nur hingegen aller Barbaren machen sie es so, dass alles wie ein Unfall wirkt. Oder aber, sie führen die Morde so aus, dass sie nach außen hin wie unmöglich wirken, sodass die Leute denken es wäre „die Rache der Götter“ gewesen, was dazu führt, dass dem Toten nachgesagt wird, er hätte etwas Schweres begangen. Etwas so bösartiges, dass er die Aufmerksamkeit Aions selbst auf sich zog.“ Er zeichnete mit seinen Krallen Anführungszeichen in die Luft und grinste schief. „Ein ehemaliger Ältester Pandämoniums war sehr paranoid. Er fürchtete Alles und jeden Ort. Sein Schlafgemach war ein hermetisch abgeriegelter Raum in dem sich nichts anderes als ein Bett befand. Eines Morgens wurde er tot aufgefunden. Erstickt, ohne Würgemale, keine Spuren von Gift. Ganz offensichtlich also die Rache der Götter, wobei diese den Namen Virydiana trug und auf meinen Befehl hin handelte.“
      „Warum erzählt Ihr mir das?“
      „Diese drei Männer denen du nachtrauerst, waren Assassinen, die den Auftrag hatten dich umzubringen.“ Er lächelte. „Du glaubst mir nicht, aber es ist wahr.“ Er zögerte einen Moment. „Du würdest mich töten, wenn du könntest.“ In dem Tonfall hätte er auch sagen können „Unsere Nachbarn geben eine große Gartenfeier und servieren frische Brax-Leber“.
      „Natürlich würde ich das..“, sagte ich. Das Sprechen fiel mir zunehmend schwerer, ich hing nur mit meinen Gelenken an den Ketten und langsam wurden Füße und Hände taub. Er schüttelte den Kopf und schnalzte mit der Zunge.
      „Das ist bedauerlich. Ich hoffte du würdest mir ein wertvoller Verbündeter sein. Du hast Potenzial, weißt du?“
      „Ich Euer Verbündeter? Ihr habt Euch wohl das falsche Kraut angezündet!“ Die Worte sollten entrüstet und wütend klingen, doch sie fielen in resignierendem Klang vor mir zu Boden.
      Er erhob sich. „Mir scheint du hast ein falsches Bild von mir. Ich werde jemanden zu dir schicken der dir alles erklärt. Entschuldige, doch ich muss meine Zeit Wichtigerem widmen.“ Seine Hand hob sich und wischte kurz durch die Luft, woraufhin sich die Schellen um meine Gelenke lösten und ich zu Boden fiel. Ich wollte mich sofort aufrappeln, doch sobald meine Füße mein Gewicht tragen mussten, schrie ich kurz auf und stürzte zurück auf den Grund.
      Er stand nicht mal zwei Meter von mir entfernt. So nah und doch so fern. „Und behalt deine verdammten Emotionen unter Kontrolle.“ Mit diesen Worten drehte er sich herum und ging durch das Loch in der Wand in die Schatten.

      Die Flamme der Fackel an der Wand flackerte. Ich lag auf den Boden und atmete schwer. Meine schwere Plattenrüstung drückte sich in meinen Rücken und erschwerte mir das Atmen noch mehr. Ich versuchte mich vom Boden aufzudrücken, doch meine Handgelenke schickten einen stechenden Schmerz durch meinen gesamten Arm, sodass ich fürchtete die müssten jeden Moment durchbrechen. Ich knallte erneut zu Boden und konnte gerade noch mein Gesicht zur Seite drehen.

      Kurze Zeit später kam eine kleine, vermummte Gestalt in den Raum, dessen Gesicht unter einer tiefen, schwarzen Kapuze verborgen war. Sie besah mich kurz, bevor sie die Kapuze in den Nacken schob. Sie grinste.
      „Hey, mein Name ist Virydiana. Du kannst mich Vi nennen. Du siehst echt ziemlich mitgenommen aus, weißt du das? Hier, ich helf dir auf.“